Lebensmittelsicherheit, HACCP, IFS, BRC & FSSC

Wie kann man Schädlingsbefall in Lebensmittelbetrieben vermeiden? – Tipps eines Schädlingsbekämpfers

Schädlingsbefall in Lebensmittelbetrieben

In Zertifizierungsaudits nach den gängigen Lebensmittelsicherheitsstandards kommt es immer wieder zu Abweichungen hinsichtlich Schädlingsbekämpfung. Und auch Reklamationen, die durch Schädlinge verursacht werden, sind keine Seltenheit. Da wird dann leicht mal die „Schuld“ auf den Schädlingsbekämpfer geschoben. Es mangelt hier tatsächlich manchmal an der Dienstleistungsqualität, aber grundsätzlich muss man sagen: Es muss nur bekämpft werden, was auch überhaupt da ist. Und dafür, dass Schädlinge überhaupt in den Lebensmittelbetrieb gelangen, ist in den meisten Fällen der Betrieb selber verantwortlich. In einem Seminar haben wir dies vor kurzem mit einem ausgebildeten Schädlingsbekämpfer diskutieren. Aus dessen Sicht sollte nämlich der Betrieb selber wichtige Präventionsmaßnahmen durchführen. Für diesen Expertenbrief konnten wir Herrn Helmut Münch, einen Experten für Schädlingsbekämpfung und Schädlingsprävention, als Gastautor gewinnen. Sehen Sie sich doch mal an, was da aus seiner Sicht oft schiefläuft und was in Ihrem Unternehmen besser gemacht werden kann.

Weitere spannende Beiträge zum Thema Lebensmittelsicherheit:

(1) Was sind unangekündigte IFS Food Safety Checks und Food Safety Audits?
(2) Validierung in der Lebensmittelindustrie – diese Anforderungen stellen die Standards an die Prozessvalidierung
(3) Wir zeigen, wie Sie mit Korrekturmaßnahmen entsprechend der Lebensmittelsicherheitsstandards umgehen sollten


Vermeidung von Schädlingsbefall in der Lebensmittelindustrie

Durch meine langjährige Berufserfahrung als Schädlingsbekämpfer stelle ich immer wieder aufs Neue fest, dass in vielen Firmen der Lebensmittelindustrie das Thema Schädlingsbefall falsch angegangen wird. Wie es zu einem Schädlingsbefall kommt, hat viele unterschiedliche Gründe, die ich hier in einigen Punkten erklären möchte. Dabei gehe ich speziell auf die Themen Vermeidung, Schädlingsmonitoring und Schädlingsbekämpfung ein.


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Was sind mögliche Ursachen für einen Schädlingsbefall in Lebensmittelbetrieben?

Im folgenden finden Sie mögliche Gründe für einen Schädlingsbefall in einem Lebensmittelbetrieb.

Eindringen
Schädlinge können durch bauliche Mängel, die am Gebäude bestehen, unbemerkt eindringen.

Einflug/Zulauf
Fliegende Schadinsekten können durch offene Fenster, Türen und Tore ins Gebäude einfliegen. Genauso verhält es sich mit Schadnagern, die gerne unbemerkt hereinlaufen.

Einschleppung
Durch Warenanlieferung von Verpackungsmaterial, Rohware, Leerboxen und Paletten besteht eine erhebliche Gefahr, dass Schädlinge in Betriebe gelangen, die bis dato keinen Befall hatten.

Organisatorische Mängel
Es kommt immer wieder vor, dass Bereiche und Räume (Außen- und Innenbereich) in Betreiben nicht benutzt und dort Maschinen und Material jeglicher Art abgestellt werden. Diese Bereiche sind ebenfalls kritische Orte, an denen Schädlinge sich aufhalten können, um sich dort zu vermehren oder Schäden anzurichten.

Hygiene
Dies ist ein wichtiges Thema in Bezug auf Vermehrung von Schädlingen in Betrieben. Schädlinge brauchen zur Fortpflanzung zwei Dinge:

  • 1. Nahrung
  • 2. Brutstätten

Je nach Schädling sind diese von unterschiedlicher Art.

Personal
Bei Betrieben mit einer hohen Anzahl von Beschäftigten ist unter Umständen auch eine Einschleppung von Schädlingen durch das Personal mittels privater Kleidung, Gegenständen und Nahrungsmitteln möglich.

Schädlingsmonitoring/-bekämpfung
Der Schädlingsbekämpfer wendet kein ausreichendes oder ein fehlerhaftes Monitoringsystem an. Inspektionen/Sichtkontrolle sind ungenügend durchgeführt. Ein vorhandener Schädlingsbefall ist nicht ausreichend erkannt und/oder unsachgemäß bekämpft worden.

Für die genannten Ursachen gibt es Lösungen, um es nicht zu einem Schädlingsbefall kommen zu lassen oder diesen auch wieder zu reduzieren bzw. zu beseitigen.


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Welche Maßnahmen können wir ergreifen, um Schädlingsbefall vorzubeugen?

Schauen wir uns nun mögliche Maßnahmen an, mit denen Sie einen Schädlingsbefall vorbeugen können.

Eindringen
Regelmäßige Begehungen mit Kontrolle der Fassade/Verkleidung/Dach/Isolierung/Durchführung von Leitungen und Rohren jeglicher Art, um diese auf Schäden zu kontrollieren, wo Schädlinge die Möglichkeit haben, ins Gebäude zu gelangen. Die gefundenen Mängel müssen umgehend fachgerecht behoben werden.

Einflug/Zulauf
Türen und Tore sollten nur so lange, wie es nötig ist, geöffnet bleiben und danach sofort wieder verschlossen werden. Dies kann manuell oder automatisch geschehen. An Fenster, Türen und Toren, die längere Zeit geöffnet bleiben, sollten Fliegengitter angebracht sein. Des Weiteren sollte auf die korrekte Schließung geachtet werden. Das heißt, es sollen keine größeren Spalten an den Seiten und am Boden vorhanden sein. Diese lassen sich ggf. mit Besenleisten verschließen.

Einschleppung
Eine der Hauptursachen von Schädlingsbefall ist die Einschleppung in die Betriebe durch Warenanlieferung jeglicher Art. Es ist daher sehr wichtig, dass Wareneingangskontrollen durchgeführt werden. Angelieferte Ware sollte unverzüglich von Umverpackung, Palletten und Trays befreit bzw. auf interne Transport- und Lagermedien umgesetzt und über Materialschleusen eingeschleust werden. Alternativ funktioniert auch ein Verbringen in Quarantäneräume/-behälter – dies allerdings nur dann, wenn die Räume verschlossen sind. Ein Verbringen in ein durch einen Trennstreifen auf dem Boden abgetrennten Quarantänebereich hilft nichts.

Organisatorische Mängel
Räume und Bereiche, die wenig betreten oder benutzt, in denen eventuell auch noch Material, Rückstellproben, Maschinen oder Akten gelagert werden, sollten auf jeden Fall regelmäßig auf Schädlingsbefall kontrolliert werden und mit in das Monitoringsystem des Schädlingsbekämpfer integriert sein. Grundsätzlich gilt natürlich: Bauen Sie keine Müllberge auf. Hier ist Ordnung gefragt.

Hygiene
Durch die regelmäßige und richtige Reinigung auch der Räumlichkeiten lassen sich die Brut- oder Nistplätze, Aufenthaltsorte und Nahrungsquellen von Schädlingen vermeiden. Dies ist unter Umständen sehr schwierig, da manche Schädlinge mit wenig Platz und Nahrung auskommen bzw. auch längere Zeit ohne Nahrungsaufnahme überleben können. Daher ist eine konsequente und nachhaltige Reinigung in allen Bereichen notwendig.

Personal
Durch Personal kommt es auch immer wieder zu Schädlingsbefall, der sich unter Umständen von den Sozialräumen bis in die Produktion ausbreiten  kann. Die Beschäftigten sollten so wenig wie möglich private Gegenstände (Kleidung und Essen) mit in den Betrieb bringen bzw. in den Spinden aufbewahren. Zudem sollten eine regelmäßige komplette Reinigung und Kontrolle der Spinde erfolgen. Alternativ kann auch ein Umkleidesystem wie für Besucher in Schwimmbädern eingeführt werden.

Schädlingsmonitoring/-bekämpfung
In allen Lebensmittelbetrieben sollte ein Schädlingsmonitoring vorhanden sein, um einen Schädlingsbefall frühzeitig zu erkennen. Dies bedarf eines systematisch und fachlich erarbeiteten Monitoringsystems, das auf den Betrieb vor Ort zu geschnitten ist. Sollte es doch zu einem größeren Schädlingsbefall kommen, der durch die vorhandenen Fallen nicht reduziert wird, muss eine fach-/sachgerechte Bekämpfung durchgeführt werden. Das heißt, die Auswahl der Mittel und Geräte sollte spezifisch für den Schädlingsbefall sein. Es ist nicht sinnvoll, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen oder nach dem Motto „Viel hilft viel“ vorzugehen.


Notwendige Qualifikation eines Schädlingsbekämpfers

Auch die Mitarbeiter des Schädlingsbekämpfungsunternehmen sollten eine fachliche, kompetente Ausbildung haben, die den Anforderungen der Gesetze und Zertifizierungen entspricht: Sachkunde (Töten von Wirbeltieren, Pflanzenschutzsachkunde) oder umfangreiche Ausbildung (IHK geprüfter Schädlingsbekämpfer). Schädlingsmonitoring und Schädlingsbekämpfung ist auf jeden Fall Sache eines Fachmanns. Ich höre auch heute noch in vielen Betrieben: „Das machen wir selber.“ Und benötigtes Material wird im Landhandel/ Baumarkt gekauft. Dies geht in den meisten Fällen schief – spätestens, wenn ein Schädlingsbefall außer Kontrolle gerät oder entsprechende Kontrollorgane (Lebensmittelkontrolle für HACCP, LMHV, Auditoren für ISO, IFS, BRC) im Betrieb erscheinen. Schädlingsbekämpfung muss umfangreich dokumentiert werden. Geeignete Monitoringkomponenten (Insektenfallen, UV Geräte, Nagerfallen) müssen verwendet werden.


Legen Sie Verantwortlichkeiten für die Schädlingsbekämpfung in Ihrem Unternehmen fest!

Die Vermeidung von Schädlingsbefall wird in vielen Betrieben irrtümlich dem Schädlingsbekämpfer aufgetragen. Hier muss ganz klar gesagt werden, dass die Vermeidung mit den oben beschriebenen Aufgaben den zuständigen Mitarbeitern unterliegen. Dies betrifft in erster Linie Qualitätssicherung und Hygienebeauftragte, in deren Arbeitsfeld die o.g. Ursachen fallen. Sie haben die Verantwortung, die Maßnahmen im Betrieb und beim Personal durchzusetzen, kontinuierlich voranzutreiben und zu überwachen. Jeder Mitarbeiter muss begreifen, was er gegen Schädlingsbefall tun kann, und dies auch wirklich umsetzen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich regelmäßig, z.B. einmal im Jahr, einen Fachmann ins Haus zu holen, der den Betrieb auf alle möglichen Schwachstellen inspiziert. Er verfasst einen Bericht und stellt diesen anschließend dem verantwortlichen Personenkreis zur Verfügung.


Fazit

Schädlingsvermeidung oder Schädlingsprävention ist ein Teil der Qualitätssicherung des Betriebes. Schädlingsbefall bzw. Schädlingsmanagement sowie Schädlingsbekämpfung gehören in die Hand von Fachleuten. Es kann sich heute kein Betrieb – egal, ob Industrie oder Kleinbetrieb – einen größeren Schaden leisten, sei er materiell oder als Imageverlust.

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen,
Ihre Ute Wedding


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