SIX SIGMA

Six Sigma Rollenspiel – der Champion als Bühnenautor

Als ich beim letzten Mal den Master Black Belt (MBB) mit seiner zentralen Rolle im Rahmen der Six Sigma Implementierung vorstellte, habe ich ihn ein wenig mit dem Intendanten eines Theaters verglichen. Um in dem nun einmal belebten Bilde zu bleiben, gehen wir einfach weiter zum Six Sigma Champion, der dann vielleicht die Rolle des (Bühnen-) Autors (lat. „auctor“ = „Urheber“, „Veranlasser“) einzunehmen vermag.

Warum brauch‘ ich ihn?

Der Champion, auch schon ‚mal (und nicht nur in Norditalien) als Pate oder doch eher häufiger als Sponsor bezeichnet (der dann wieder nichts springen lässt außer den Black Belt), bringt i.d.R. das Six Sigma Projekt auf die Welt. Er gibt einer anfänglich oft erst vagen Idee zu einer Verbesserungsaufgabe einen konkreten und autorisierten Rahmen ; er bereitet die Bühne vor für das Spiel der Protagonisten, der Green und Black Belts, der Teammitglieder und Experten.

Wie ist er hierarchisch eingeordnet?

Der Champion ist – wie auch der MBB – eine mittlere bis obere Führungskraft, oft ist er auch Mitglied des Six Sigma Lenkungsausschusses. Meist stellt er darin auch seine konkretisierte Verbesserungsaufgabe vor oder wird von diesem mit einer bereits vorliegenden betraut. Er ist entweder der direkte „process owner“ oder verantwortet eine Etage höher den Bereich, in dem der zu verbessernde Prozess (zumindest überwiegend) abläuft.


Was sind seine Aufgaben?

  • Der Champion übernimmt typische Managementaufgaben im Six Sigma Umfeld, als da wären z.B-:
  • Ableiten von Verbesserungspotenzialen aus Unternehmenszielen
  • Identifikation und Starten von Six Sigma Projekten
  • Bereitstellung von Ressourcen
  • Kommunikation laufender Six Sigma Projekte
  • Steuerung des Teams im Hinblick auf die von ihm vorgegebenen Ziele
  • Entlastung von Black / Green Belt und Team bei Projektabschluss

Welche Fähigkeiten sollte er mitbringen ?

Um die gerade erstmal grob beschriebenen Management-Aktivitäten gut zu erfüllen, sollte der Champion natürlich per se einige Dinge mitbringen, die hierfür förderlich sind – als allererstes ist hier aber ganz klar zu nennen: er sollte ein großes vitales Interesse am Projekterfolg haben ; daran, dass das, was hinten aus dem Prozess ‚raus kommt (Ausbeute, Fehlerrate, Durchlaufzeit, Nacharbeitsquote etc. ) nachher wirklich (deutlich ) besser ist als das, was zu Beginn vorlag. Dieses Interesse sollte auch direkt oder auf dem zweiten Bildungsweg mit dem Interesse externer Kunden und deren Anforderungen  einhergehen.

Er sollte die Verbesserungsaufgabe intern und evtl. auch extern gut vertreten können, indem er nutzenargumentativ vorgeht, Chancen und Risiken erwägt und bewertet. Schön wäre auch, wenn er entscheiden könnte, ob die Aufgabe als Projekt oder eher anderweitig angegangen werde sollte (z.B. als KVP-Workshop). Wird es als Projekt auf den Weg gebracht, muss er es auf Six Sigma Fähigkeit hin untersuchen und bewerten können – es gibt genügend Beispiele, wo dies nicht oder nur unzureichend geschehen ist.


Wie wird er zum Champion?Champion

Na ja, meistens ist er einfach da – Führungskräfte gibt’s immer ! Leider erlebt man oft das richtige Six Sigma Projekt mit dem falschen Champion – oder das richtige Projekt mit dem richtigen Champion – aber der ist leider ahnungslos hinsichtlich der Dinge, die er in den Ablauf einbringen sollte – diese daher dann entweder nicht oder zu spät oder halt fehlerhaft macht.

Um es soweit gar nicht erst kommen zu lassen, gilt es auch ihn – am besten direkt zu Beginn – zu schulen, und zwar im Rahmen eines inhouse oder offhouse-Championstrainings. Hier lernt er Six Sigma in den Grundzügen kennen, Nutzen und Ziele, Erfolgsfaktoren und Implementierungsstrategien und v.a. seine Rolle und die damit verbundenen Aufgaben bei Themen wie Projektauswahl, Teamzusammenstellung, Umsetzung der Maßnahmen etc..

Über das Verständnis und neu erlernte Wissen hinaus wird er dann auch ganz besonders  Gefallen an der Erkenntnis finden, dass er doch eigentlich den besten Job bei Six Sigma hat: Der Champion kriegt am meisten hinten raus  – muss dafür aber am wenigsten tun!

In diesem Sinne und bis demnächst,
Ihr Axel Jungheim

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