SIX SIGMA

SIX SIGMA Pilgerfahrt

Es war wieder soweit! Vor wenigen Wochen trafen sich erneut zahlreiche interessierte Six Sigma Pilger anlässlich der diesjährigen ESSC-D (European Six Sigma Club – Deutschland) – Fachkonferenz zum gepflegten Informations- und Meinungsaustausch. Abweichend von der Sitte manch’ anderer Glaubensgemeinschaft wechselt hierbei die Pilgerstätte jährlich. Dieses Mal traf man sich im schwäbischen Oberkochen bei Aalen im Hause der Carl Zeiss AG, die sich als Hauptsponsor der Veranstaltung ein großes Lob verdiente für ihre Bemühen, den Gästen ein der Veranstaltung angemessenes und gleichzeitig angenehmes Umfeld zu bieten.

Trotz der aktuell doch sehr angespannten Wirtschaftslage, haben es sich über 80 etablierte bzw. angehende Six Sigma Experten aus dem deutschsprachigen Raum nicht nehmen lassen, den fachlich ambitionierten Vorträgen bereits bekannter aber auch einiger neuer Referenten zu folgen und die Beiträge in einer jeweils anschließenden Diskussion zu vertiefen. Sehr schön auch, dass wiederum viele neue Gesichter im Auditorium saßen, so dass über die Jahre überhaupt nicht der Eindruck entsteht, dass dieser so wertvolle ’Emotionale Heimathafen des Großen und Kleinen Belts’ zu einer inzestuösen Wiedersehensfeier mutiert (wird dann auch schon mal gern als ’Bauchpinselheimatverein’ bezeichnet).

Ja, was gab’s denn nun alles so zu hören? Wichtig war vor allem, dass die Vorträge den aktuellen Zeitgeist rund um Six Sigma herum einerseits facettenreich ’rüberbringen, andererseits aber auch klare Schwerpunkte gebildet werden.

Hierfür Sorge trug deutlich im Vorfeld eine Klausurtagung der ESSC-Mitgliedergemeinschaft, an der ich dieses Mal auch teilnehmen konnte.
Als Schwerpunkte kristallisierten sich damals schnell heraus:

  • Six Sigma und LEAN
  • Design for Six Sigma (DFSS)
  • Six Sigma in Dienstleistungsbereichen

U.a. auch um die Fülle an gemeldeten Vorträgen innerhalb der knapp zweitägigen Veranstaltung über die Bühne zu bringen, aber dennoch die jeweilige Rede- und Diskussionszeit nicht unzulässig zu verdichten, wurden am späteren Nachmittag des ersten Tages zwei parallel laufende Schwerpunkteinheiten gebildet auf Basis der oben genannten Punkte 2 und 3.

Auffällig war auch die gelungene Mischung aus Berichten über Implementierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten von Six Sigma gerade auch in Kooperation zu LEAN sowie aus Beiträgen zu ganz konkreten Anwendungsmöglichkeiten spezieller Tools im LEAN Six Sigma, DFSS und Dienstleistungsbereich. Die oft besondere subjektive Note des einen oder anderen Referenten brachte zudem noch die zusätzliche Würze hinein.

Zu den Workshops möchte ich noch kurz was erzählen. Diese wurden aufgrund der positiven Akzeptanz in der Vergangenheit wiederum ins Programm integriert, auf die Schwerpunkte LEAN Six Sigma sowie Firmenkultur und Soft Skills und als add-on am ersten Vormittag vor die eigentliche Vortragsveranstaltung gesetzt – mit einer für mich sehr überraschenden fast kompletten Teilnahme aller späteren Veranstaltungsteilnehmer.


Ganz besonders hat mich das Ergebnis eines Workshops gefreut, der sich mit der Fragestellung befasste,  in welcher Form man Lean und Six Sigma Inhalte in ein Training aufnehmen sollte. Dabei wurden von 4 vorgestellten unterschiedlichen Lösungsansätzen seitens der Workshopteilnehmer letztlich die beiden Lösungen deutlich präferiert, die eine modulare Herangehensweise an die jeweiligen Inhalte von Lean und Six Sigma empfehlen.

Beispielsweise erhält hiernach ein Kandidat zuerst einen mehrtägigen Lean Part vermittelt und wird dann im Anschluss oder zeitverschoben als Six Sigma Green Belt ausgebildet. Die direkte Integration von Lean-Elementen in ein Six Sigma Training – andersherum würde es schon gar keinen Sinn ergeben – führt doch häufig zu Verständnisproblemen und didaktischen Fallstricken, da sich LEAN und Six Sigma zwar in praxi ausgezeichnet ergänzen, aber letztlich doch sehr unterschiedlicher Herkunft, Kompliziertheit, Vorgehensweise und  Ergebnisanspruchs sind.

Ein weiterer Workshop , an dem ich selbst teilnahm, befasste sich mit der Frage, welche Lean Werkzeuge  bzw. Prinzipien an welcher Stelle in den DMAIC-Zyklus eines Six Sigma Projektes integriert werden können. Nach Brainstorming und anschließender Clusterung konnten hier recht gut einige Werkzeuge den jeweiligen Projektphasen zugeordnet werden.


Natürlich lebt eine solche Veranstaltung nicht nur von Vorträgen und Workshops. Dazu gehören auf jeden Fall die zahlreichen Networking Gelegenheiten in den sehr gut organisierten Pausen – wo man auch schon mal den einen oder anderen Trainingszögling gerne wiedertrifft , die parallel laufende Unterstützung der Co-Sponsoren Additive (Minitab) und i-Nexus, eine in mehrere Gruppen aufgeteilte Werksbesichtigung am Ende des ersten Tages und ganz besonders auch das gemeinsame Abendessen mit allen Teilnehmern , diesmal im schönen Schloss Kapfenburg. Für die Mitglieder des ESSC-D gab’s dann am Freitag Nachmittag noch die Möglichkeit, im Rahmen der Mitgliederversammlung wesentliche richtungsweisende Punkte zu diskutieren und mitzugestalten.

Ja, ich freue mich auf jeden Fall schon aufs nächste Jahr – höchstwahrscheinlich wird die 2010er-Konferenz dann am 04./05. März stattfinden – über den aktuellen Stand der Vorbereitungen kann man sich auch jederzeit auf der ESSC-Homepage informieren .

Bis demnächst,
Axel Jungheim

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