QM Qualitätsmanagement ISO 9001 ProzesseUM Umweltmanagement ISO 14001

Umweltschutz und Qualitätsmanagement integrieren

So sorgen Sie für „saubere“ Qualität  –  indem Sie Umweltschutz und Qualitätsmanagement in Ihrer Organisation integrieren

Ende der 1980er Jahre ist es passiert. Seit dieser Zeit ist der Menschheit eine Erde nicht mehr genug. Um ihren jetzigen Lebensstil bzw. Lebensstandard dauerhaft zu ermöglichen, benötigt die jetzige Weltbevölkerung bereits 1,23 Erden. Dieser Wert errechnet sich aus dem Flächenbedarf zur Produktion von Kleidung und Nahrung, Bereitstellung der notwendigen Energie, aber z.B. auch zum Abbau des durch den Menschen erzeugten Mülls oder zum Binden des durch seine Aktivitäten freigesetzten Kohlendioxids. Sehr anschaulich wird der personenbezogene Flächenbedarf mit dem „Ökologischen Fußabdruck“ bezeichnet. Dieses Berechnungsmodell wurde 1994 an der University of British Columbia in Kanada von Mathis Wackernagel und William E. Rees entwickelt. Selbstversuch im Internet: Vier Seiten mit jeweils ca. 15 Fragen zum Ausfüllen, eine Auswertung; das Ergebnis: „Wenn alle so leben würden, bräuchten wir bereits fast dreimal die Fläche unserer Erde. Das also ist mein ökologischer Fußabdruck. Nicht unbedingt ein nachhaltiger Lebensstil, aber relativ typisch für Mitteleuropa.“In dem nachfolgenden Artikel finden Sie eine Anleitung, wie Sie die Ideen der DIN EN ISO 14001 in Ihrer Organisation umsetzen können, für „saubere“ Qualität und in den meisten Fällen mit Einsparungen garniert.


Betrieblicher Umweltschutz mit (Management-) Systemen

In jedem Unternehmen gibt es Möglichkeiten, zum Schutz der Umwelt beizutragen:
Ressourcen schonend einsetzen, Emissionen vermeiden, betriebliche Abfälle trennen, um nur einige Beispiele unter vielen zu nennen. Dazu müssen Maßnahmen koordiniert werden, um die umweltrelevanten Schwachstellen des Unternehmens zielgerichtet aufzudecken und zu beseitigen. Solche Umweltschutzmaßnahmen werden in zwei Kategorien eingeteilt, je nachdem, an welchem Punkt diese ansetzen:

  • Der nachsorgende Umweltschutz – setzt auf additive Maßnahmen, indem zum Beispiel eine (bestehende) umweltrelevante Einrichtung so verändert wird, dass sich ihre Umweltauswirkungen verringern (z.B. Abluftfilter oder Abwasserreinigung). In der Regel werden dabei nicht gewünschte Schadstoffe, aus der Luft oder dem Wasser gefiltert und als Abfall entsorgt oder wiederverwertet.
  • Der vorsorgende, integrierte Umweltschutz – will im Idealfall bereits die Entstehung der Abfälle, Emissionen oder Abwässer verhindern. Die folgenden Fragestellungen kennzeichenen diese Denkweise:- „Wie kann man gefährliche Stoffe ersetzen (Substitution)?“
    – „Wie kann das gleiche Wasser mehrfach verwendet werden (Kreislauf)?“

Die mit einem systematischen Umweltmanagement realisierte Verminderung des Abfallaufkommens und der Schadstoffemissionen führen in den meisten Fällen zu einer signifikanten Reduzierung der umweltbezogenen Kosten.

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Zielsetzung der Umweltnorm DIN EN ISO 14001

Hätten wir bei den bisherigen Ausführungen den Begriff Umweltschutz durch den Begriff Kundenorientierung ersetzt, es wäre wahrscheinlich nicht weiter aufgefallen. Kein Wunder, denn die DIN EN ISO 9001 basiert auf derselben Systematik, nur fokussiert diese nicht auf die Umwelt, sondern auf das Wohl des Kunden. Folgende Ziele sollen aus Sicht der DIN EN ISO 14001 erreicht werden:

  • Die stetige Verbesserung der Leistungen des Umweltmanagementsystems auf Basis der bekannten Deming-Methode Plan-Do-Check-Act (PDCA).
  • Die Einhaltung aller umweltrelevanten gesetzlichen Vorgaben, Verwaltungsvorschriften und Umweltauflagen.
  • Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Befugnisse sind festzulegen, um durch die Einbeziehung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein wirkungsvolles Umweltmanagement zu erleichtern.
  • Die interne und zum Teil auch externe (Umweltpolitik) Kommunikation des Engagements im Umweltschutz.
  • Die Verhinderung von Unfällen und Notfallsituationen und die Planung von Notfallmaßnahmen.

Auf die Idee der DIN EN ISO 9001 des „prozessorientierten Ansatzes“, mit Darstellung der Wechselwirkungen der Prozesse und deren Messung und Überwachung anhand von Kennzahlen, wird in der DIN EN ISO 14001 sogar explizit verwiesen. In beiden Normen finden Sie zur Vereinfachung der Zusammenführung eine Matrix mit Darstellung der Entsprechungen bzw. Übereinstimmungen.


Schritte zum integrierten QM-/ UM-System

Die Darstellung auf dieser Seite erläutert Ihnen die einmaligen Aktivitäten der Systemimplementierung mit Projektcharakter, sowie die wiederkehrenden Aktivitäten der Systemverwirklichung. Nachfolgend werden die einzelnen Schritte inhaltlich weiter konkretisiert.


Projektstart und Projektplanung

Die Integration von Regelwerken in ein Managementsystem erfordert eine weitsichtige Planung.
Folgende Fragen sollten Sie deshalb bei Projektstart erörtern:

  • Welche Standorte sind einzubinden?
  • Welche Prozesse laufen an diesen Standorten?
  • Welche Prozesse durchlaufen Bereiche, die für die Inhalte der Regelwerke relevant sind?
  • Wer am jeweiligen Standort verfügt über die erforderliche Kompetenz für die einzelnen Regelwerke, um den Prozessverantwortlichen unterstützen zu können?
  • Wie viel Zeit kann/muss von den Beteiligten aufgewendet werden?


Erste Umweltprüfung und Berichterstattung

Bei der ersten Umweltprüfung handelt es sich um eine interne Prüfung mit dem Charakter einer Bestandsaufnahme. Für den

  • Normalbetrieb,
  • gestörten Betrieb und
  • Betrieb in Notfallsituationen

sollten Sie den Ist-Stand anhand systematischer Checkpunkte hinterfragen:

  • Ermittlung der direkten Umweltaspekte der betrieblichen Tätigkeiten und der Produkte, die die Organisation unmittelbar beeinflussen kann.
  • Ermittlung der rechtlichen Regelungen die für umweltrelevante Tätigkeit der Organisation gelten und eingehalten werden müssen.
  • Ermittlung der Zuständigkeit für Umweltbelange und wie diese konkret geregelt sind.
  • Ermittlung aller Inputs und Outputs, die ökologisch relevant sind und z.B. als Energie- und Ressourcenverbrauch, Abfallaufkommen oder Emissionen erfasst werden können.

Die Ermittelten und als relevant eingestuften Umweltwirkungen Ihres Standortes müssen Sie im Anschluss bewerten, um mögliche Schwachstellen und Verbesserungsmöglichkeiten in der ersten Berichterstattung aufzuzeigen.

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IHRE VORLAGE: 
 Die Umweltbetriebsprüfung Checkliste  ISO 14001 unterstützt Sie bei der Bewertung der Umweltleistung  Ihres Unternehmens!


Planung des Umweltmanagementsystems

Die Erkenntnisse der ersten Umweltprüfung bieten Ihnen nun die Möglichkeit, verzahnt mit der Qualitätspolitik, eine Umweltpolitik zu formulieren, welche die Handlungsstrategie aufzeigt. Analog zur Planung des QM-Systems im Kapitel 5.4.2 der DIN EN ISO 9001, erfordert auch die DIN EN ISO 14001 im Rahmen der Planung des UM-Systems Ziele zu formulieren und Maßnahmen zur Zielerreichung zu definieren. Die DIN EN ISO 14001 gibt diesem Kind sogar einen Namen: Das „Umweltprogramm“.

Umsetzung der Planung
Das Programm steht, jetzt wird gehandelt. Um den Umweltschutz in der Organisation zu verankern, sollten Sie im Rahmen eines Soll-Ist-Vergleiches zunächst die entsprechenden QM-Strukturen mit den UM-Aspekten ergänzen:

  • Allgemeine Verantwortlichkeiten im Umweltmanagement sind zu definieren
  • Der/die Qualitätsbeauftragte erhält Gesellschaft: Die Position der/des „Umweltbeauftragten“ ist zu benennen.
  • Die umweltbezogene Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter und der Aufbau von Strukturen für die umweltrelevante Kommunikation sind zu organisieren.
  • Die im QM bereits definierten Prozesse müssen um solche ergänzt werden, mit denen der Umweltschutz realisiert wird.

Wo von der DIN EN ISO 14001 gefordert oder aus Ihrer Einschätzung sinnvoll, müssen bzw. können Sie in Verfahrensanweisungen näher beschreiben, welche Umweltaspekte in einzelnen Prozessen zu berücksichtigen sind.

Video: HLS ISO 14001 : 2015

Video: Was ist ein Umweltmanagementsystem ISO 14001?


Verwirklichung des Umweltmanagementsystems

Die sukzessive Einführung und Umsetzung des UM-Systems in das Tagesgeschäft ist der eigentliche Erfolgsfaktor. Die umweltbezogenen Prozesse, Tätigkeiten und Ergebnisse werden nun erfasst, kontrolliert und dort wo die DIN EN ISO 14001 dies fordert, gesetzliche Vorgaben existieren bzw. wo Sie selbst einen Vorteil sehen, werden Umweltaufzeichnungen erstellt. Auf Basis dieser Aufzeichnungen muss laut DIN EN ISO 14001 die Einhaltung der Rechtsvorschriften geprüft werden. Die Notfallvorsorge sollten Sie im laufenden Betrieb anhand von Übungen wiederkehrend auf deren Wirksamkeit testen.


Überwachung des UM-Systems

Im Rahmen eines vorher festgelegten koordinierten Auditprogramms für das Qualitäts- und Umweltmanagements, führen die internen Auditoren so genannte „Umweltbetriebsprüfungen“ durch und bewerten die Verankerung und Wirksamkeit des Umweltmanagementsystems. Dazu begehen die Auditoren, die ergänzend im Umweltmanagement geschult wurden, in integrierten internen QM-/UM-Audits den Betrieb, sehen relevante Dokumente ein und befragen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Ergebnisse dieser Audits werden in einem Soll-Ist-Vergleich den Handlungsvorgaben in der Dokumentation und den Zielen gegenübergestellt. Wo die Handlungsvorgaben oder Ziele verfehlt werden, müssen die Ursachen identifiziert und ggf. Korrekturmaßnahmen eingeleitet werden. Sowohl die Abweichungen als auch die Korrekturmaßnahmen werden dokumentiert.


Überprüfung des UM-Systems durch die oberste Leitung

Nach der Einführung, Kontrolle und eventuellen Korrektur bewertet, wie im Qualitätsmanagement, die oberste Leitung auch das Umweltmanagementsystem. Diese Bewertung muss Mindestkriterien umfassen und in festgelegten Abständen erfolgen. Der/die Umweltmanagementbeauftragte liefert der Leitung hier wertvollen Input. Bewertet wird, inwiefern die Ziele erreicht wurden, ob die festgelegten Korrekturmaßnahmen sinnvoll waren und ob das Umweltmanagementsystem insgesamt für die Verwirklichung der Umweltpolitik geeignet ist. Damit Sie die UM-Aktivitäten möglichst einfach Ihrem QM-System hinzufügen können, erhalten Sie zu diesem Thema eine Verfahrensanweisung Umweltmanagement kostenlos zum Download!

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Gelingen bei der Umsetzung.
Ihr Reinhold Kaim

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