QM Qualitätsmanagement ISO 9001 Prozesse

QFD Methode – Nutzen Sie das Quality Function Deployment in Ihrem Entwicklungsprozess!

 

Bei näherer Betrachtung so mancher Mobiltelefone stellen sich unweigerlich folgende oder ähnliche Fragen: Warum besitzen diese Geräte Funktionen, die der Durchschnittstelefonierer wahrscheinlich nie nutzt? Ist ein Kunde bereit, sich tagelang mit dem Lesen der Bedienungsanleitung zu beschäftigen? Wissen Sie welche Produktfunktionen sich Ihre Kunden wirklich wünschen? In der Quality Function Deployment-Methode finden Sie eine Vorgehensweise, um diese Kundenanforderungen zu identifizieren und in Kundenzufriedenheit zu überführen. Diese Methode hilft Ihnen die richtigen Produkte gemäß der Bedürfnisse Ihrer Kunden zu entwickeln und danach auch zu produzieren, da alle Merkmale und Prozesse bei der Produktplanung mit einbezogen werden.


DER ENTWICKLERTREND ZUR „EIERLEGENDEN WOLLMILCHSAU“

Natürlich kann man Produkte auch ohne QFD entwickeln. Nur, worauf legen Ihre Entwickler Wert? Auf das, was Sie am Besten können oder auf das, was dem Entwickler am meisten zusagt? Ist der Entwickler „puristisch“ veranlagt, wird das Produkt wahrscheinlich dem Minimalprinzip folgen. Ist er jedoch ein „Perfektionist“, was ist dann das Entwicklungsergebnis? Die oft zitierte „Eierlegende Wollmilchsau“? Wäre es alternativ nicht viel besser, darauf zu achten, worauf der Kunde, der das Produkt kaufen soll, achtet? Nehmen wir als Beispiel einen Zeigestab für Präsentationen. Hätten Sie daran gedacht, den Halteclip auswechselbar zu gestalten, um die Forderung (eines Entwicklers mit Geschmack) „Zeigestab lässt sich farblich an die vorhandenen Stifte anpassen“ zu erfüllen?

Deshalb: Finden Sie heraus, was Ihre Kunden wollen und konzentrieren Sie sich darauf. Denn Qualität ist nach Juran „die Erfüllung der Kundenwünsche“.


DIE QFD-GRUNDGEDANKENQFD Vorlage

„Better Designs in half the time“ oder „Copy the spirit, not the form“ stehen stellvertretend für eine Reihe plakativer Aussagen, die das Ziel des methodischen QFD-Instrumentariums beschreiben.

QFD kann deshalb durch folgende Merkmale charakterisiert werden:

– QFD ist ein teamorientierter Planungsprozess mit den Forderungen des Kunden als Eingangsgrößen.
– QFD-Matrizen und -Tabellen dienen der übersichtlichen Strukturierung von Daten und Informationen.
– QFD unterstützt die Prioritätenerkennung und -umsetzung.
– QFD-Ausgangsgrößen sind Schlüsselkriterien zur Steigerung der Kundenzufriedenheit.

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DURCHGÄNGIGKEIT DER KUNDENFORDERUNGEN IN DER PRODUKTENTSTEHUNG

QFD geht davon aus, dass nicht nur die Forderungen des externen Kunden, sondern auch die der internen Kunden für ein marktgerechtes Produkt von Bedeutung sind. Bei der QFD-Methode können vier Phasen unterschieden werden:

Ausgehend von der Produktplanung (1) werden Anforderungen zur Teilentwicklung (2), Prozessplanung (3) bis hin zur Produktions- und Testplanung (4) entwickelt. In jeder Phase werden nur eine begrenzte Anzahl an Merkmalen und Maßnahmen auf derselben Ebene berücksichtigt. Die Ergebnisse eines Schrittes dienen als Eingabedaten, um die nächste Ebene zu erstellen. Dieses Vorgehen ermöglicht es dem Manager sich auf die wesentlichen Aspekte jedes Schrittes zu konzentrieren und die einzelnen Schritte an die kompetenteste Abteilung weiterzuleiten. Nach Durchführung aller Schritte werden die Merkmale der Komponenten, des Produktionsprozesses und der Prüfoperationen festgelegt.


HOUSE OF QUALITY – DAS VORGEHENSPRINZIP

Werden die Wechselwirkungen von Merkmalen betrachtet, erhält die QFD-Matrix ein „Dach“ und wird als House of Quality (HoQ) bezeichnet. Der Aufbau des HoQ ist, wie bei allen anderen Qualitätstabellen auch, nicht starr vorgegeben, sondern entsprechend der Anwendungssituation variabel zu gestalten. Anhand der Produktplanung (Phase 1), finden Sie nachfolgend das Vorgehensprinzip des QFD am Beispiel eines „Taschenmessers“ dargestellt:

1. Listen Sie die Kundenforderungen (das WAS) in der Ausdrucksweise des Kunden auf.
„Das Messer soll viel können.“
„Das Messer soll leicht sein.“

2. Gewichten Sie die ermittelten Kundenanforderungen aus Kundensicht.
Funktionalität Prio. 5
Sicherheit Prio. 4
(1 = wenig wichtig, 5 = sehr wichtig)

3. Bestimmen Sie die zu spezifizierenden Qualitätsmerkmale (das WIE).
Formulieren Sie dazu die Kundenanforderungen in messbare Größen um.

4. Legen Sie die Optimierungsrichtung der Qualitätsmerkmale fest.
Stellen Sie mit Pfeilen dar, wie das Merkmal verändert werden muss, um es zu verbessern.

5. Ermitteln Sie nun die Korrelation, d.h. den Zusammenhang zwischen Kundenanforderung und Qualitätsmerkmal.
Starker Zusammenhang = 9
Mittelstarker Zusammenhang = 3
Schwacher Zusammenhang = 1

6. Führen Sie eine Wettbewerbsanalyse (das WARUM) durch.
Vergleichen Sie Ihr vorhandenes Produkt mit dem besten Konkurrenzprodukt – aus Kundensicht!

7. Legen Sie die Zielgrößen der spezifizierenden Merkmale (das WIEVIEL) fest.
Für jedes Produktmerkmal wird eine Maßgröße bestimmt (z.B. Länge [cm], Gewicht [g], etc.) welches das Merkmal genau beschreibt.

8. Bewerten Sie die Schwierigkeit, die Werte zu erreichen.
Um mögliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung abschätzen zu können, sollten Sie diese hinsichtlich ihrer technischen Umsetzbarkeit bewerten.
1 = sehr leicht erreichbar
10 = fast nicht erreichbar
Führen Sie eine Wettbewerbsanalyse aus Unternehmenssicht durch.

9. Ein geeignetes Konkurrenzprodukt sowie das eigene Produkt werden bezüglich festgelegter Merkmale gemessen und bewertet, so dass sich jeweils ein Produktprofil ergibt.

10. Ermitteln Sie die kritischen Merkmale auf Grund der technischen Bedeutung.
Die Gewichtung der Kundenanforderungen muss mit der Bewertung in der Beziehungsmatrix multipliziert und spaltenweise aufaddiert werden. So ergibt  sich die Gesamtbedeutung für jedes Produktmerkmal.

11. Prüfen Sie eventuelle Korrelationen und ggf. Konflikte der Merkmale untereinander. Die Produktmerkmale können sich gegenseitig beeinflussen.
Fall Zielharmonie: Die Verbesserung eines Merkmals hat auch die Verbesserung des anderen Merkmals zur Folge. Es wird ein „+“ gesetzt.
Fall Zielkonflikt: Die Verbesserung eines Merkmals führt zur Verschlechterung eines anderen Merkmals. Es wird ein „-“ gesetzt
Bei Zielneutralität wird ein „o“ gesetzt.


DIE WIRKUNG VON QFD

Mittels QFD erreichen Sie also eine Menge an Vorteilen, wie z.B.:

– Gemeinsame Sicht auf das Produkt
– Methodische, dokumentierte Produktentscheidungen
– Fokussierung der Entwicklungstätigkeit auf das Wesentliche
– Zufriedene Kunden

Viel Erfolg bei der Umsetzung und bis bald,

Ihr Reinhold Kaim

PS: Anschließend sehen Sie zu meiner obigen Beschreibung noch eine grafische Darstellung zum House of Quality!

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2 Comments

  1. BlackWidow
    4. Februar 2016 at 0:02 — Antworten

    Sehr gut beschriebenes “ House of Quality“, jedoch besitzt Beispiel einen Fehler. Bei der Bedeutung in Punkten gehören beim letzten nicht „52“, sondern „72“ eingeschrieben. Somit gehören auch die Prozentangaben geändert.
    Lg

    • 25. Februar 2016 at 10:05 — Antworten

      Guten Tag BlackWindow,

      vielen Dank für Ihr Lob und den Verbesserungsvorschlag. Wir haben diesen selbstverständlich direkt umgesetzt.

      Beste Grüße
      M. Kuhles

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