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Wissensmanagement im Unternehmen

Der Datenbestand auf der ganzen Welt nimmt jährlich fast um das Doppelte zu. Da werden wir also immer schlauer, könnten wir jetzt vermuten. Schön wär’s, denn Daten sind nicht gleich zu setzen mit Wissen. Es fehlt uns mehr und mehr an geeigneten Instrumenten, um die Flut von Daten in Informationen zu transformieren und diese zu zweckorientiertem Wissen zu veredeln. Es wird also nicht einfacher sondern komplexer. Deshalb gewinnt das Thema „Knowledge Management“ (= Wissens-Management) eine immer größere Bedeutung für eine Organisation. Ein Managementsystem ist mehr als der Einsatz technischer Systeme zum Speichern, Verwalten und Verteilen von unternehmensrelevanten Informationen. Lesen Sie im Folgenden, was ein Wissensmanagement im Unternehmen ausmacht.
„Ich weiß, dass ich nichts weiß“ (Sokrates)
Sokrates hat das Problem anscheinend antizipiert, dass der Zuwachs an Daten erstaunlicherweise zu einem Mangel an Wissen führen kann. Informationen werden, wenn überhaupt, nur noch oberflächlich wahrgenommen. Informationen, die nicht von direkter Relevanz für die Arbeit oder von besonderer Dringlichkeit sind, werden ignoriert. Daraus folgt:
  • Relevante Informationen gehen in der Masse unter.
  • Mit dem Zuwachs der Informationsmenge schwindet die Handlungskompetenz.
Die Konsequenz: Ungeheure Datenarchive mit Informationsleichen, deren Wert niemand kennt und deren möglicher Nutzen verloren geht.


Die Verwechslung von Daten, Informationen und Wissen

Im operativen Alltag von Unternehmen werden die Begriffe Daten, Informationen und Wissen immer wieder verwechselt und deshalb teils synonym gebraucht. Bei genauer Betrachtung wird deutlich: Daten und Informationen sind nicht per se nützlich. Erst die intelligente Auswahl, Aufbereitung und Verteilung macht aus ihnen ein für die Organisation wertvolles Wissen.
  1. Daten: Es gibt keine Daten an sich. Daten sind immer abhängig von den Beobachtungsinstrumenten (unsere eigenen Sinne, technische Apparaturen oder geistige Instrumente). Daten existieren ohne Bezugsrahmen und besitzen somit keine direkt erkennbare Bedeutung.
  2. Informationen: Die wahrgenommenen Daten werden dann durch den Filter systemspezifischer Bedeutsamkeit zu Informationen. Die rote Tomate sehe ich nur dann, wenn sie zu ihrer Umwelt einen bedeutsamen Unterschied für mich darstellt. Eine Tomate vor einer gleichfarbigen Wand ist nur schwer sichtbar.
  3. Wissen: Neue Informationen werden mit bereits vorhandenem und gespeichertem Wissen in Form von Erfahrungsmustern verknüpft. Diese Erfahrungen müssen für den jeweiligen Menschen oder das Unternehmen zur Bewältigung seiner täglichen Aufgaben und Probleme wichtig sein.

Das Wichtigste ist häufig verborgen

Versuchen Sie einmal jemandem zu erklären was Sie tun, wenn Sie Ihren PKW rückwärts einparken, oder wenn Sie eine Bowlingkugel werfen. Sie werden feststellen, dass Sie das Ein oder Andere im Halbschlaf beherrschen, aber sich sehr schwer tun, in Worten weiter zu vermitteln wie Sie genau vorgehen.
Auch das Wissen Ihrer Mitarbeiter besteht zu einem großen Teil aus einem derartigen so genannten „impliziten Wissen“. Dieses Wissen ist subjektives, in der Praxis gewonnenes Erfahrungswissen. Es ist persönlich, kontextspezifisch und daher nur schwer kommunizierbar. „Explizites Wissen“ dagegen ist objektives und abstraktes, zum Beispiel aus Büchern gewonnenes Verstandeswissen. Dies lässt sich in formaler, systematischer Sprache weitergeben. Es ist als Theorie auch kontextfrei verständlich.
Gerade jedoch die impliziten Wissensbestandteile „unterhalb der Wasserlinie“ sind es, die in jedem Unternehmen die Kernkompetenzen ausmachen. Ein Mitarbeiter, der auf eine jahrelange Betriebszugehörigkeit zurückblickt, weiß nun mal vielmehr, als der neue Kollege der aus der Lehrwerkstatt hinzugekommen ist, auch wenn dieser über ein „frisches“ Ausbildungswissen verfügt.
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Die Aufgaben des Wissensmanagements

Im Wissensmanagement geht es vornehmlich darum, alles für den Unternehmenserfolg notwendige bzw. nützliche Wissen im und außerhalb des Unternehmens zu identifizieren, systematisch einzusetzen und gezielt zu nutzen, um die Kompetenzen des Unternehmens und seiner Mitarbeiter zu vergrößern.

Schritte zum Wissensmanagement im Unternehmen

1. Schritt: Sensibilisierung für die Zielsetzung und Notwendigkeit eines Wissensmanagements
Wissensmanagement muss von allen Beteiligten getragen werden. Die Etablierung des Wissensmanagement im Unternehmen kann nur gelingen, wenn sämtliche betroffene Personen von dessen Notwendigkeit und dessen Sinn überzeugt sind.
2. Schritt: Wissensziele des Unternehmens bestimmen
Wissensziele sind richtungsweisend für die das Wissensmanagement begleitenden Aktivitäten. Sie legen fest, auf welchen Ebenen welche Fähigkeiten aufgebaut werden sollen:
  • normative Wissensziele (normativ = als Norm geltend/maßgebend/ als Richtschnur dienend).
  • strategische Wissensziele (strategisch = genau geplant/einer Strategie folgend).
  • operative Wissensziele (operativ = unmittelbar wirkend).

Schritt 3: Wissensidentifikation/-erhebung
Die gezielte Wissensidentifikation muss eine Wissenstransparenz schaffen, die dem Einzelnen im Unternehmen eine bessere Orientierung liefert und einen besseren Zugriff auf das Wissensumfeld ermöglicht. Dies geschieht durch:

  • Erfassung von undokumentiertem Wissen der Mitarbeiter: Erfahrungen, Geschäftsbeziehungen, individuelles Know-how, Fähigkeiten.
  • Erfassung von dokumentiertem Wissen der Mitarbeiter: Korrespondenz, Protokolle, Aufzeichnungen, Dokumenten-Management- Systeme. Der Wissenstransfer erfolgt dabei durch Zuschauen, Beobachten, Nachahmen, Training oder auch Kursbesuchen. Ein wichtiges Ergebnis: Die eigentlichen Wissensträger werden sichtbar. Diese sind immer die weiteren Machtinhaber, nach den „Offiziellen“ in der Hierarchiestruktur.
Schritt 4: Wissensklassifikation und -entwicklung
Klassifikation bedeutet die Systematisierung von interpretierten Daten und Informationen. Sie ermöglicht das Wiederauffinden. Die Klassifikation unterscheidet zwischen:
  • Hard Facts (Patente, Projektstatus, Qualitätsstandards etc.) und
  • Soft Facts (Vorhersagen, Meinungen).
Die Neuentwicklung und Weiterentwicklung von Wissen stellt eine Kernaufgabe des Wissensmanagements dar, die sich nicht, wie in vielen Unternehmen, auf den F&E-Bereich beschränken darf. Man unterscheidet dabei die Konzepte der Wissensentwicklung auf der individuellen und auf der kollektiven Ebene. Das Resultat eines kollektiven Lernprozesses wird als „lessons learned“ bezeichnet.
Schritt 5: Wissensverteilung
Hauptaufgabe der Wissensverteilung ist die Multiplikation von Wissen durch rasche Verteilung auf eine Vielzahl von Mitarbeitern zur Sicherung und Teilung vergangener Erfahrungen. Die Verteilung erfolgt mit Hilfe der technisch-organisatorischen Unterstützung, wie etwa
  • Einsatz interner E-Mails, News-Groups
  • Groupware, Internet, Intranet
  • Austauschrunden, Meetings, WissensraumSie können Ihre Mitarbeiter auch zu wichtigen Themen selbst schulen. In unserem Seminar Train The Trainer zeigen wir Ihnen, wie Sie Inhalte am effektivsten vermitteln! 
Schritt 6: Nutzung und Bewahrung
Der produktive Einsatz von Wissen zum Nutzen des Unternehmens ist Zielsetzung des Wissensmanagements. Das persönliche Arbeitsumfeld muss die Anwendung des Neuen unterstützen und die Bereitschaft zur Nutzung von Wissen auf individueller und kollektiver Ebene fördern. Durch Kündigung, Pensionierung oder Tod verlieren Unternehmen wertvolle Wissensträger. Damit dieses Wissen aber auch zukünftig abrufbar bleibt, müssen Unternehmen das zu bewahrende Wissen selektieren, speichern und regelmäßig aktualisieren.
Ihr Reinhold Kaim (QM-Experte)

1 Comment

  1. susibe
    4. Januar 2015 at 12:02 — Antworten

    wow, wirklich spannender artikel. da eröffnen sich ganz neue möglichkeiten für viele!

    danke und einen guten tag

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