QM Qualitätsmanagement ISO 9001 Prozesse

ISO 9001 Vorgaben der Produktsicherung durch Produktkennzeichnung und sichere Produktverpackung

 

Die Eingabe des Begriffs „Transportschaden“ erzeugt bei Google 6.140.000 Treffer. Deutlich mehr als bei der Eingabe von „Transportsicherung“ mit 439.000 Treffern. Eigentlich müsste sich eine Transportsicherung bzw. Produktsicherung immer lohnen, da ein Transportschaden für einen Hersteller den „worst case“ darstellt. Vernichtet dieser doch die in der Prozesskette erzeugte Wertschöpfung. Eine weitere negative Wirkung von Transportschäden sind Lieferverzögerungen und damit einhergehend je nach Branche Verkaufseinbußen und Kundenverluste. Leider werden die Kosten für durch Transportschäden bedingte Expresslieferungen, Sonderfahrten und Preisnachlässe häufig nicht als qualitätsbezogene Kosten erfasst. Um die Lieferverpflichtungen doch noch einzuhalten, darf sich die Arbeitsvorbereitung zu allem Überfluss mit ungeplanter Nach- und Neuproduktion herumschlagen, die vorhandene Fertigungspläne durcheinanderbringt. Alles in allem eine Vielzahl an Gründen, sich mit dem Thema Produktsicherung – sprich Produktkennzeichnung , Handhabung, sichere Produktverpackung , Lagerung und Versand – auseinander zu setzen!

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So leiten sich die Anforderungen der DIN EN ISO 9001 ab

Laut Abschnitt „1.1 Allgemeines“ der DIN EN ISO 9001 legt die Norm Anforderungen an ein ISO 9001 QM-System fest, damit die Organisation

a) die Fähigkeit zur ständigen Bereitstellung von Produkten, die die Anforderungen der Kunden und die zutreffenden gesetzlichen und behördlichen Anforderungen erfüllen, sicherstellt.

Die Anmerkung 1 zu diesem Abschnitt verdeutlicht, dass der Begriff „Produkt“ auf

  • solche Produkte, die für einen Kunden vorgesehen sind oder von diesem gefordert werden und dabei auf
  • alle beabsichtigten Ergebnisse der Produktrealisierungsprozesse

anzuwenden ist. Bezogen auf die Aspekte der Produkterhaltung, d.h. Produktkennzeichnung , Handhabung, sichere Produktverpackung , Lagerung und den Schutz, beziehen sich die Anforderungen der Norm über das Fertigprodukt hinaus auf den gesamten Wertschöpfungsprozess und betreffen damit die Logistikanforderungen an

  • Beschaffungslogistik,
  • Fertigungslogistik,
  • Versandlogistik und
  • Transportlogistik.

 


Methoden der Kennzeichnung von Chargen und Produkten

Die Produktkennzeichnung ist im Qualitätsmanagement ein wichtiges Element der Rückverfolgbarkeit. Im Falle von Handelswaren oder Fertigartikeln sind Artikelnummern – beispielsweise in Form der European Article Number (EAN) – ein wesentliches Kennzeichen. Ein weiterer wichtiger Faktor, z.B. während der internen Verarbeitung, ist eine Kennzeichnung direkt am Produkt. Ohne individuelle Produktkennzeichnung sind die wesentlichen Prozesse einer modernen Produktion nicht mehr denkbar. Produktsicherung , Qualitätssicherung, Tracking und Tracing, Just In Time – dies alles ist nur möglich durch exakte Verfolgbarkeit vom Rohstoff bis zum fertigen Artikel. Das Spektrum der Kennzeichnungsverfahren erstreckt sich über die „einfache“ Produktkennzeichnung mittels Aufkleber, die Kennzeichnung der Transportmedien oder ein komplettes, in die Betriebs-EDV integriertes, Kennzeichnungssystem mittels RFID. Beispiele üblicher Kennzeichnungssysteme:

  • Aufkleber bzw. Etiketten
  • Lasermarkieren
  • Nadelprägen
  • Ritzmarkieren
  • Elektrolytisches Markieren
  • Beschriftung mit Tintenstrahl

Video: Aufgaben des Qualitätsmanagementbeauftragten

Video: Was ist ein Qualitätsmanagementsystem ISO 9001?


Methoden der Produkthandhabung während der Bearbeitung

Während der internen Be- und Verarbeitung werden die Halbfertigerzeugnisse immer wieder „angefasst“. Die Handhabung muss sicherstellen, dass Beschädigungen oder Beeinträchtigungen verhindert werden. Die Methoden der internen Produkthandhabung sind natürlich produktspezifisch sehr unterschiedlich. Typische Auslöser für Produktschäden sind:

  • Temperatur, Feuchtigkeit
  • Vibrationen, Stöße
  • Schmutz, Staub,
  • Kontamination, …

Beim Transport zu den verschiedenen Fertigungsstellen sollten Sie diesen Einwirkungen durch die Benutzung geeigneter Paletten, Behälter, Ladungsträger, Fahrzeuge und Fördereinrichtungen begegnen. Es versteht sich von selbst, dass die Transportwege von Schmutz und Hindernissen befreit sein müssen, um die Produkte erschütterungsfrei transportieren zu können.

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Methode der Produktverpackung und Lagerung

Sind Beschaffungs- und Produktionsmenge größer als die Versandmenge, so muss diese als Ausgleichsfunktion gelagert werden. Ein Lager wird somit als Ausgleichs(zwischen)- speicher benutzt. Damit Sie Verwechslungen beim Ein- bzw. Auslagern vermeiden, sollten Sie eine Lagerplatzzuordnung vorsehen:

  • Bei einer festen Lagerplatzzuordnung werden für jeden Artikel feste Lagerplätze bereitgestellt.
  • Bei der dynamischen Lagerplatzzuordnung werden die Artikel („chaotisch“) an einem freien Lagerplatz gelagert.

Ein wichtiges Prinzip der Lagerhaltung ist das Fifo-Prinzip. Beim „First In – First Out“ werden die zuerst eingelagerten Waren auch wiederum zuerst ausgelagert. Hiermit vermeiden Sie Ladenhüter“. Alle Arten der Produktverpackung haben die gleiche Hauptfunktion, den Schutz der beinhalteten Güter – die Produktsicherung . Den Schwerpunkt bildet hierbei die Versandverpackung, d.h. die Verpackung zum Schutz der einzelnen Packstücke vor schädlichen äußeren Einflüssen während des Transports. Die nebenstehende Tabelle listet einige wesentliche Verpackungsarten und deren interne bzw. externe Anwendung auf.

Um einen Verbund von Packstücken zum Versandstück zu erzeugen, benötigen Sie neben dem Verpackungsstoff aus dem das Packmittel besteht, so genannte Packhilfsmittel. Packhilfsmittel sind u.a.

  • Kordeln und Bänder zum Verzurren der Packstücke,
  • Klebe-/Packband zum Verschließen,
  • Schrumpfschlauch oder Wickelfolie,
  • Foliensäcke zum Einschweißen,
  • Trockenmittel,
  • Füllstoff zum Auspolstern des Packstückes oder
  • Klebefolie zum Fixieren der Label/Aufkleber und zum Verschließen.

Details der Vorgehensweise im Zusammenhang mit der Produktverpackung / dem Versand werden häufig vom Kunden oder behördlich vorgegeben. Diese so genannten „Verpackungsvorschriften“ müssen im Rahmen des Qualitätsmanagement freigegeben und gelenkt werden. Um Beschädigungen bei der Handhabung vorzubeugen, sollten Sie Ihre Pakete mit verschiedenen Kennzeichnungen versehen. Beispielhaft zu nennen sind:

  • Pfeile zur Kennzeichnung: „Hier oben“.
  • Glassymbol: Vorsicht, zerbrechlich.
  • Regenschirm: Vor Nässe schützen.
  • Durchkreuzte schräge Kiste: Nicht stürzen.
  • Durchkreuzte Kiste oben: Nicht stapeln.
  • Durchkreuztes Gewicht: Nicht belasten.

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Methoden zum Schutz und zur Konservierung von Produkten

Spezielle Sichtteile oder andere Teile mit empfindlichen Oberflächen müssen zur Gewährleistung der Produktsicherung besonders schonend transportiert oder gelagert werden. In diesem Fall sollten Sie spezielle Maßnahmen ergreifen wie z.B.

  • Oberflächenschutznetze,
  • Zwischenlagegitter aus Polyethylen,
  • Abstandshalter für Lagerung /Transport.

Auf Paletten, in Gitterboxen, Lager-/Transportkästen können Sie so Kratzer und Beschädigungen der Teile wirksam unterbinden. Dem Korrosionsschutz kommt im Produktionsprozess eine weitere wichtige Bedeutung zu, da Korrosion zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden durch Ausschuss führen kann. Generell wird zwischen zwei Arten des Korrosionsschutzes unterschieden:

Aktiver Korrosionsschutz
Das Wirkpaar wird so verändert, dass sich die Triebkraft der Korrosion vermindert (Kontaktelemente vermeiden, Trocknung der Luft, …).

Passiver Korrosionsschutz
Zwischen Wirkstoff und Korrosionsmedium wird eine temporäre Trennschicht aufgebracht (Korrosionsschutzöle, -wachse, -fette, -emulsionen, …).


Die letzte Meile zum Kunden ist oft die Wichtigste

Häufig wird nicht berücksichtigt, dass auch Versanddienstleister relevant für die Produktqualität und die Produktsicherung sind und deshalb in der Lieferantenbewertung berücksichtigt werden müssen. Solche Dienstleister sind z.B.

  • Kurier-, Express- oder Paketdienste bei kleinerer Produktdimension oder Liefermenge.
  • Speditions- Bahn- oder Schiffstransportunternehmen im Falle größeren Stückgutversandes.

Für Luftfracht gelten besondere Vorschriften. Zweckmäßigerweise sollten auf diesem Weg nur leichte und/oder eilige Güter versendet werden.

Ihr Reinhold Kaim (QMB)

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