Arbeitsschutzmanagement ISO 45001

OHSAS 18001 Anforderungen verstehen und umsetzen

Ein Staplerfahrer demolierte durch zu schnelles Fahren ein Hochregal. Ein Mitarbeiter, der daneben eine Lieferung kommissionierte, konnte sich durch einen beherzten Sprung aus der Gefahrenzone retten, um nicht von zwei herabfallenden Fässern verletzt zu werden. Eine Woche vorher hatte das gleiche Versandteam im Arbeitssicherheitsaudit angemerkt: In unserem Unternehmen passieren doch nur ganz wenige Arbeitsunfälle. Was wollen wir da noch verbessern? Schwere Unfälle sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs. „Das hätte in´s Auge gehen können, Glück gehabt“. So werden Tag für Tag tausende von Beinahe-Unfällen kommentiert – und wieder vergessen. Wenn dann doch mal einer „Pech“ hatte und verletzt wurde, haben alle gewusst, „dass das mal so kommen musste“. Damit es eben nicht so kommt, sollten Sie Ihren Mitarbeitern das Thema Arbeitsschutzmanagement nach OHSAS 18001 näher bringen.


Das Arbeitsschutz-Konzept der ILO mit nationaler Umsetzung

Arbeitsschutz ist prinzipiell eine hoheitliche Aufgabe des Staates, der in dieser Funktion verpflichtende Gesetze zum Arbeitsschutz erlässt. Diese Gesetze regeln wichtige Schwerpunkte, bilden jedoch kein übergreifendes System des Arbeitsschutzmanagements ab. Die Internationale Arbeitsorganisation (IAO = International Labour Organisation – ILO) hat dies erkannt und einen Leitfaden zur freiwilligen Einführung von Arbeitsschutzmanagementsystemen verabschiedet, der auf international vereinbarten Grundsätzen der drei in der ILO vertretenen Parteien (Regierungen, Arbeitgeber, Beschäftigte) beruht. Das Konzept des Leitfadens der ILO sieht seine Anpassung an nationale Gegebenheiten durch die Erarbeitung nationaler Leitfäden vor, was leider wieder zu nationalen Lösungen, wie dem deutschen AMS-Leitfaden (des Bundesministeriums (BMWA), der Arbeitsschutzbehörden der Länder, der Unfallversicherungen und der Sozialpartner) führte.

Das internationale Konzept der OHSAS-Regelwerke
Der Bedarf an einem Regelwerk, das Arbeitsschutz international vergleichbar macht, war also nach wie vor vakant. Mangels einer internationalen ISO-Norm, wurde im Jahr 1999 die OHSAS 18001 (Occupational Health and Safety Assessment Series) von verschiedenen Organisationen als „privates“ Arbeitsschutzmanagementsystem-Regelwerk verabschiedet und vom britischen Normungsinstitut BSI veröffentlicht. Im Jahr 2007 erschien die aktualisierte zweite Fassung: OHSAS 18001:2007, die in Großbritannien erstmals zu einer offiziellen Norm (BS OHSAS 18001:2007) wurde.
Auf Grund der großen Akzeptanz wurden weltweit Zertifizierungsstellen akkreditiert, sodass mit der OHSAS 18001 ein international zertifizierbares Arbeitsschutzmanagementsystem (AMS) vorliegt:

  • OHSAS 18001:2007: Basisdokument zur freiwilligen Zertifizierung von Managementsystemen für den Arbeitsschutz.
  • OHSAS 18002:2008: Leitfaden zur Einführung eines Arbeits- und Gesundheitsschutz-Managementsystems (A&GManagement) nach den Grundprinzipien von OHSAS 18001.

Das Prinzip der Freiwilligkeit wird bei OHSAS 18001 besonders betont.

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Die wesentlichen Prinzipien der OHSAS 18001:2007

Wie viele andere Managementsysteme auch (z.B. QMS nach ISO 9001 oder UMS nach ISO 14001) beruht auch ein Managementsystem nach OHSAS 18001 auf dem Prinzip der ständigen Verbesserung nach dem PDCA-Zyklus.

OHSAS 18001 Phase „Plan“

  • Rechtliche Forderungen im Bereich Arbeitssicherheit ermitteln und A&GRechtskataster erstellen,
  • Gefährdungsanalyse und –beurteilung durchführen,
  • entsprechende Arbeitsschutz-Ziele und -Programme festlegen.

OHSAS 18001 Phase „Do“

  • Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten festlegen,
  • Schulungen im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz organisieren,
  • Kommunikationsstrukturen schaffen,
  • Arbeits- und Gesundheitsschutz in alle Prozesse integrieren,
  • Notfallvorsorge und Gefahrenabwehr organisieren.

OHSAS 18001 Phase „Check“

  • Die Umsetzung überwachen und messen,
  • bewerten der Einhaltung der für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz relevanten Rechtsvorschriften,
  • interne und externe A&G-Audits.

OHSAS 18001 Phase „Act“

  • OHSAS Management-Review,
  • Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen im ASI-Managementsystem umsetzen.

 

Was bedeutet die OHSAS 18001 für die tägliche Arbeit?

Hauptzielrichtung der Norm ist es, alle Mitarbeiter systematisch in das A&G-Management einzubeziehen und so, das im Intro angesprochene „Eisbergvolumen“, der unsicheren Zustände zu dezimieren. Die für die tägliche Arbeit der Mitarbeiter relevanten Aspekte finden Sie  nachfolgend dargestellt.

 

Kapitel 4.1: Allgemeine Anforderungen

Einführung, Dokumentation, Verwirklichung, Aufrechterhaltung und ständige Verbesserung mit Festlegungen, wie die Norm-Anforderungen erfüllt werden sollen.

Sinn/ Nutzen für die tägliche operative Tätigkeit

  • Verbreiterung der Basis für den Arbeits- und Gesundheitsschutz: Der A&G Schutz obliegt nicht mehr hauptsächlich der Sicherheitsfachkraft und einigen wenigen anderen Mitarbeitern.

 

Kapitel 4.2: Festlegung/Umsetzung einer angemessenen und aktuell zu haltenden A&G-Politik mit A&G-Zielsetzung

  • zur Vermeidung von Verletzungen und Erkrankungen,
  • zur ständigen Verbesserung (A&G-Management/Leistungen),
  • zur Einhaltung der geltenden rechtlichen Vorschriften.

Die A&G-Politik ist zu dokumentieren, implementieren und aufrechtzuerhalten sowie allen Personen in der Organisation mitzuteilen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Sinn/ Nutzen für die tägliche operative Tätigkeit

  • Verbessertes Image der Organisation bei den Mitarbeitern/der Öffentlichkeit am Arbeitsmarkt durch Vorbild und Glaubwürdigkeit.
  • Klarheit für die Mitarbeiter, dass die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben nicht diskutierbar ist.
  • Die Mitarbeiter können selbst eindeutig die Prioritäten für ihre Handlungsentscheidungen erkennen.

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Kapitel 4.3: Planungsaktivitäten des A&G-Managementsystems einführen, verwirklichen und aufrechterhalten in Form

  • eines Verfahrens zur ständigen proaktiven Gefährdungserkennung, Risikobeurteilung und Festlegung von risikoreduzierenden Schutzmaßnahmen nach definierter Rangfolge,
  • eines Verfahrens um geltende rechtliche Verpflichtungen und andere A&G-Anforderungen, zu denen sich die Organisation verpflichtet hat, zu ermitteln und zugänglich zu machen,
  • dokumentierter, praktikabler sowie messbarer A&G-Zielsetzungen für relevante Funktionen und Ebenen der Organisation und A&G-Programme zu deren Realisierung.

Sinn/ Nutzen für die tägliche operative Tätigkeit

  • Minimieren der Risiken für technische Katastrophen. Verbesserung der Rechtssicherheit für Führungskräfte und Unternehmer, da ein systematisches Vorgehen nachweisbar ist.
  • Der „Mut zur Lücke“ ist nicht mehr zulässig. Die Beschäftigten können die Zeit zur Ermittlung der rechtlichen Vorgaben einfordern und erhalten so Handlungssicherheit.
  • Mitarbeiter-Motivation, d.h. Ansporn für die Mitarbeiter durch Zielsetzungen und für jeden Mitarbeiter ersichtliche Maßnahmen, die den A&G-Schutz verbessern.

 

Kapitel 4.4: Verwirklichung und Betrieb eines nachhaltigen A&G Managementsystems indem die Organisation

  • durch die oberste Leitung ihrer Verantwortung für den Arbeits- und Gesundheitsschutz nachkommt und benötigte Ressourcen bereitstellt sowie Befugnisse delegiert und Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten festlegt.
  • für Personen deren Tätigkeiten für den A&G-Schutz relevant sind, durch Schulungen die notwendigen Fähigkeiten und das Bewusstsein über A&G-Folgen vermittelt.
  • eine Kommunikation über A&G-Aspekte (auch mit Externen) sicherstellt und die Beschäftigten durch ein Verfahren der Mitbestimmung und Beratung am A&G beteiligt.
  • das A&G-Managementsystem sinnvoll dokumentiert.
  • für diejenigen Abläufe und Tätigkeiten, die mit den festgestellten Gefährdungen zusammenhängen, Lenkungsmaßnahmen zum Schutz vor A&G-Risiken trifft. Dies schließt ein Änderungsmanagement ein.
  • ein Verfahren implementiert, um potenzielle Notfallsituationen zu ermitteln und auf eingetretene Notfallsituationen mit erprobten Gefahrenabwehrmaßnahmen zu reagieren.

Sinn/ Nutzen für die tägliche operative Tätigkeit

  • Vorbildfunktion der obersten Leitung!
  • Es bleibt nicht nur bei Ankündigungen, sondern es müssen Taten folgen.
  • Der Mitarbeiter kann aktiv werden, da er weiß, was er zu tun hat und die dazu nötige Handlungs(voll)macht erhält.
  • Qualifizierte Mitarbeiter handeln, d.h. sind motivierter und erfolgreicher.
    Schulung bedeutet auch Wertschätzung der MA.
  • Verbesserung der Motivation der Beschäftigten durch aktives Einbeziehen und durch Verbesserung von Arbeits- und Gesundheitsschutz.
  • Wirksame Einbeziehung von externen DL in den A&G-Schutz.
  • Das A&G-System ist kein Papiertiger, sondern ein lebendes System.
  • Verbesserte Organisation/Dokumentation da schriftliche, für jeden Mitarbeiter transparente Vorgehensprinzipien zu den operativen Aspekten des A&G-Managementsystems der Organisation vorliegen.
  • Handlungsanleitung für die Mitarbeiter bei Notfällen (geringere Gefahr das Falsche zu tun). Vorgehensweise in Notfällen wurde durch Übungen vorher erprobt.

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Kapitel 4.5: Überprüfung der Wirksamkeit des Systems durch einführen, verwirklichen und aufrechterhalten von Verfahren zur

  • regelmäßigen Überwachung und qualitativen als auch quantitativen Messung der A&G-Leistungen,
  • Bewertung der Rechtskonformität, d.h. der Einhaltung der ermittelten geltenden rechtlichen Verpflichtungen und andere A&G-Anforderungen,
  • zügigen Aufzeichnung und Untersuchung von Vorfällen,
  • Behandlung von tatsächlichen und potenziellen Nichtkonformitäten indem Korrektur- oder Vorbeugungsmaßnahmen durch geführt werden,
  • Lenkung von Aufzeichnungen zum Nachweis der Konformität mit den Anforderungen des A&G-Managementsystems,
  • regelmäßigen Durchführung interner Audits.

Sinn/ Nutzen für die tägliche operative Tätigkeit

  • Verringerung von Fehlzeiten durch Verbesserung der Sicherheit und der Arbeitsorganisation und Arbeitsplatzumgebung.
  • Weniger Ärger auf Grund fehlender oder unzureichender behördlicher Genehmigungen und weniger Gesetzesverstöße mit straf- und zivilrechtlichen Konsequenzen für die Mitarbeiter.
  • Weniger sich wiederholende Betriebsstörungen und Störfälle und damit ein geringeres A&G-Risiko für die Mitarbeiter, Senkung von unfallbezogenen Kosten, Verbesserung der Produktivität der Arbeit durch gesündere leistungsfähige MA.
  • Eindeutige Nachweismöglichkeit der Pflichterfüllung.
  • Mitarbeiter können sich einbringen, Ihre Ideen äußern und erhalten neben dem Tagesgeschäft die Möglichkeit über Unzulänglichkeiten (die sie verärgern) und Verbesserungsideen zu sprechen.

 

Kapitel 4.6: Bewertung des A&G-Managementsystems durch das oberste Führungsgremium der Organisation

  • in festgelegten Abständen, um dessen fortdauernde Eignung, Angemessenheit und Wirksamkeit sicherzustellen sowie Verbesserungspotenziale oder Anpassungsbedarf zu realisieren.

Sinn/ Nutzen für die tägliche operative Tätigkeit

  • Eine wiederkehrende Einschätzung des A&G-Systems nach definierten Kriterien, die erlaubt, Trends zu erkennen und gegenzusteuern.
  • Senkung der Arbeitsunfälle und der gesundheitlichen Belastungen der Beschäftigten.

 

Ihr Reinhold Kaim

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