Energie ISO 50001 & EN 16247

Revision ISO 50001 – Der Entwurf ist da!

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Auch die ISO 50001 wird – wie schon ISO 9001, ISO 14001 oder die ebenfalls im Entwurf vorliegende neue Norm für Arbeitsschutzmanagementsysteme, ISO 45001 – in ihrer neuen Fassung die „High Level Structure“ (HLS) übernehmen. Diese ist, mit ihrer Struktur und Begrifflichkeiten auch für die neuen ISO-Managementsystemnormen verbindlich. Zudem wird die Norm inhaltlich überarbeitet: sie soll sprachlich präziser werden und auch bisher von den Anwendern nicht immer richtig verstandene Konzepte wie Energieleistungskennzahlen, energetische Ausgangsbasis oder der Plan für die Energiemessung werden präzisiert. Vor allem aber werden mit der Revision ISO 50001 neue Themen, wie eine verbesserte strategische Ausrichtung des Managementsystems, die systematische Betrachtung von Risiken und Chancen und die Umsetzung der Anforderungen in den Unternehmensprozessen in das Energiemanagement einziehen. Mit der Neufassung wird sich im Energiemanagement also einiges ändern! Seit September 2017 liegt der Entwurf für die neue Fassung DIN EN ISO 50001:2018 vor, deren Veröffentlichung zur Jahresmitte 2018 erwartet wird. Wir wollen daher anhand des Entwurfs einen ersten Blick auf die kommenden Änderungen werfen.


Das Ziel der Revision ISO 50001

Wie bisher soll die Norm durch die Darstellung eines Best-Practice-Modells Organisationen helfen, ihre energiebezogene Leistung – die den Energieeinsatz, Energieverbrauch und den Energieeffizienz umfasst – zu verbessern. In der Einleitung wird neu darauf hingewiesen, dass hierzu eine auf die energiebezogene Leistung orientierte Kultur gebraucht wird, und dass dies einen Kulturwandel in der Organisation erfordern kann. Die neue Einleitung stellt aber auch klar, dass die Norm weder für die Produktgestaltung („außerhalb von Anlagen/Standorten, Einrichtungen, Systemen oder Energie nutzenden Prozessen“) noch die Produktnutzung durch Endnutzer außerhalb des Anwendungsbereichs und der Grenzen des Energiemanagementsystems (EnMS) gilt. Die von der Norm angeleitete Verbesserung der energiebezogenen Leistung muss mittels Energieleistungskennzahlen (EnPI) und energetischen Ausgangsbasen (EnB) nachgewiesen werden. Wie bisher beruht die Norm auf dem PDCA Zyklus (Plan-Do-Check-Act); die Kompatibilität mit anderen Managementsystemnormen soll durch die Übernahme der HLS verbessert werden.

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Die Revision der ISO 50001 bringt neue Begriffe mit sich.

Die Begriffe sind in der neuen Normfassung (ähnlich wie in der ISO 14001) nach thematischem Kontext geordnet. Unterschieden werden:

• Organisationsbezogene Begriffe
• Managementsystembezogene Begriffe
• Anforderungsbezogene Begriffe
• Leistungsbezogene Begriffe
• Energiebezogene Begriffe

Manche Begriffe aus der ISO 50001:2011 werden im Zusammenhang mit der High Level Structure analog zu anderen neuen Managementsystemnormen geändert – so werden „Dokumente“ und „Aufzeichnungen“ durch „dokumentierte Information“ ersetzt. Andere Änderungen hängen mit den inhaltlichen Klarstellungen bzw. Änderungen zusammen: So soll die Energieleistungskennzahl (EnPI) künftig „Maß oder Einheit der energiebezogenen Leistung, wie von der Organisation definiert“ sein, die Quantifizierung der EnPI zu einem oder über einen spezifischen Zeitabschnitt ist (neu) der „Wert der Energieleistungskennzahl“ (der damit der EnPI im Sinne der aktuellen Normfassung entspricht). Neu eingeführt werden folgende Begriffe:

„statischer Faktor“:
ein identifizierter Faktor, der die energiebezogene Leistung beeinflusst und sich nicht routinemäßig verändert (im Gegensatz zu der schon bisher in der ISO 50001 verwendeten, jetzt aber ebenfalls definierten „relevanten Variablen“).

„Normalisierung“:
die Modifizierung von Energiedaten, um Änderungen zu berücksichtigen und so den Vergleich der energiebezogenen Leistung unter gleichwertigen Bedingungen zu ermöglichen.
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Strategische Einbindung des Energiemanagementsystems entsprechend der Revision ISO 50001:2018

Der HLS geschuldet sind die neuen Anforderungen, dass für das Energiemanagementsystem relevante externe und interne Themen sowie die interessierten Parteien, die für die energiebezogene Leistung und das Energiemanagementsystem relevant sind, und deren Anforderungen zu bestimmen sind. Sich hieraus ergebende Risiken und Chancen für die energiebezogene Leistung sind zu ermitteln. Ähnlich wie bei anderen Normen ist das Ziel dieser neuen Anforderungen, sicherzustellen, dass das Energiemanagementsystem nicht an den relevanten strategischen Herausforderungen vorbei betrieben wird. Entsprechend sind die Themen und die Anforderungen der interessierten Kreise auch bei der Festlegung des Anwendungsbereiches zu berücksichtigen; die identifizierten Risiken und Chancen sind bei der Planung zu berücksichtigen und Maßnahmen zum Umgang mit ihnen festzulegen.


Anforderung der Revision ISO 50001 an die Führung – die neue Rolle der obersten Leitung

Die Aufgaben der obersten Leitung werden zunehmen; vor allem dadurch, dass es in der neuen Fassung keinen Beauftragten des Managements mehr geben wird, an den viele Unternehmen das Energiemanagementsystem weitgehend delegiert haben. Sicherzustellen, dass das EnMS seine beabsichtigten Ergebnisse erreicht, wird künftig Aufgabe der obersten Leitung, also „der Person oder Personengruppe, die eine Organisation auf der obersten Ebene führt und steuert“. Für die operative Betreuung des Energiemanagementsystems ist in Zukunft das Energiemanagement- Team (das aber wie bisher laut Begriffsdefinition auch aus nur einer Person bestehen kann) verantwortlich, das u.a. der obersten Leistung in regelmäßigen Abständen über die Leistung des Energiemanagementsystems und die Verbesserung der energiebezogenen Leistung berichten muss.

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Energetische Bewertung gemäß dem neuen Entwurf der ISO 50001

Die Anforderungen an die energetische Bewertung werden klarer formuliert: Statt des (im Alltagsgebrauch anders verwendeten) Wortes „Energiequellen“ soll künftig von „Energiearten“ gesprochen werden (warum ein neuer Begriff kreiert und nicht „Endenergieträger“ verwendet wird, erschließt sich dem Autor dieser Zeilen nicht). Klargestellt wird, dass für jeden wesentlichen Energieeinsatzbereich (neues Kürzel: SEU, von engl. signifi cant energy use) die

• relevanten Variablen
• die aktuelle energiebezogene Leistung
• die Persone(en), die den SEU beeinflussen

bestimmt werden müssen. Das Ergebnis der energetischen Bewertung muss bei der Bestimmung der relevanten externen und internen Themen (siehe oben: „Strategische Einbindung des EnMS) berücksichtigt werden.


Änderung der Revision ISO 50001 hinsichtlich Energieleistungskennzahl und energetische Ausgangsbasis

In der neuen ISO 50001:2018 wird sinnvollerweise die Reihenfolge der Darstellung von Energieleistungskennzahlen (EnPI – die vor der Ausgangsbasis festgelegt werden sollten) und energetischer Ausgangsbasis (EnB) geändert. Es wird klargestellt, dass die Energieleistungskennzahl (EnPI) dazu dienen, die Verbesserung der energiebezogenen Leistung nachzuweisen. Mit dem Satz „Wo die Organisation Daten besitzt, die darauf hinweisen, dass relevante Variablen sich wesentlich auf die energiebezogene Leistung auswirken, ist die Berücksichtigung von relevanten Variablen und statischen Faktoren angemessen“ wird eine Normalisierung der EnPI deutlich nahegelegt – im Unterabschnitt 6.5 zur energetischen Ausgangsbasis ist die Normalisierung der EnPI(s) und EnB(s) in diesem Fall dann ohnehin als „muss“ gefordert, wenn Änderungen der energiebezogenen Leistung verglichen werden.

ISO500001 Tabelle


Die Revision ISO 50001 stellt neue Anforderungen an Ziele und Aktionspläne

Die aktuelle Unterscheidung zwischen strategischen und operativen Energiezielen soll in der neuen Normfassung aufgegeben werden, stattdessen wird zwischen Zielen („zu erreichenden Ergebnissen“) und Energiezielen („quantifizierbares Ziel der Verbesserung der energiebezogenen Leistung“) unterschieden; die Organisation muss also Ziele und Energieziele festlegen. Damit wird die bisher aus der geforderten Übereinstimmung mit der Energiepolitik (die eine Verpflichtung zur Verbesserung der energiebezogenen Leistung enthalten muss) abgeleitete Anforderung, dass es auch spezifische Ziele zu dieser Verbesserung geben muss, in die Norm aufgenommen – angesichts der Diskussion, ob die Forderung der neuen ISO 50003 nach einem Nachweis der Verbesserung der energiebezogenen Leistung eine Verschärfung der Anforderungen der ISO 50001 darstellt, eine wohl notwendige Klarstellung. Bei den Aktionsplänen wird klargestellt, dass auch enthalten sein muss, was getan wird, also die eigentliche Maßnahme – eigentlich logisch, aber diese Anforderung fehlte bisher in der ISO 50001:2011.

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Änderungen für die Energiedatensammlung nach dem Entwurf der neuen ISO 50001 Revision

Neu in den Abschnitt über die Planung des EnMS soll die Planung der energiebezogenen Datensammlung aufgenommen werden, die den bisher unter „Überwachung, Messung und Analyse“ geforderten, aber nicht näher beschriebenen „Plan für die Energiemessung“ konkretisiert. In dem Plan muss demnach festgelegt werden, wie Daten gesammelt bzw. gemessen werden über:

• relevante Variablen bezüglich SEUs;
• Energieverbrauch der SEUs und der Organisation;
• Betriebsmerkmale bezüglich SEUs;
• statische Faktoren, falls zutreffend;
• in Aktionsplänen festgelegte Daten.

Die gesammelten Daten müssen genau und wiederholbar sein; der Plan muss regelmäßig überprüft und ggf. aktualisiert werden. Dokumentierte Informationen zu Messung und Überwachung sowie zur Genauigkeit und Wiederholbarkeit müssen aufbewahrt werden („aufbewahren“ entspricht der Forderung nach Aufzeichnungen in der aktuellen Normfassung).

 


Die Unterstützung und Betrieb in der Revision ISO 50001:2018

Die Anforderungen an die Einführung und Umsetzung des Energiemanagementsystems finden sich entsprechend der HLS in den neuen Abschnitten „Unterstützung“ (Ressourcen, Kompetenz, Bewusstsein, Kommunikation und dokumentierte Information) und „Betrieb“ (Betriebliche Planung und Steuerung, Auslegung, Beschaffung) wieder. Mit dieser klassischen Einteilung aus dem Prozessmanagement wird die geforderte Integration des Energiemanagementsystems in die Geschäftsprozesse betont; entsprechend wird statt Lenkung von Abläufen in der neuen Normfassung eher von Planung und Verwirklichung von Prozessen gesprochen. Wesentliche inhaltliche Änderungen sind damit nicht verbunden, wohl aber die (relativ unbestimmte) Anforderung, dokumentierte Information im notwendigen Umfang bereitzuhalten, „so dass darauf vertraut werden kann, dass die Prozesse wie geplant durchgeführt wurden“ (was sowohl Vorgabe- als auch Nachweisdokumente umfasst). Der Satz, dass die Anforderungen für die Beschaffung von Energie „sich für einen effizienten Energieeinsatz eignen“ müssen, soll in Zukunft wegfallen.


Neue Methoden zur Bewertung und Verbesserung im Entwurf der ISO 50001:2018

Neu wird im Entwurf ISO 50001 gefordert, dass (sofern zutreffend) die Methoden bestimmt werden, um gültige Ergebnisse der Überwachung und Messung sicherzustellen; ferner muss die Verbesserung der energiebezogenen Leistung durch Vergleichen von EnPI-Werten und entsprechenden energetischen Ausgangsbasen bewertet werden. In den Anmerkungen wird hierzu auf ISO 50006 und ISO 50015 verwiesen. Aus der Bewertung der Einhaltung rechtlicher und anderer Vorschriften müssen (eine Klarstellung) ggf. Maßnahmen folgen. Veränderungen bei relevanten externen und internen Themen und die damit verbundenen Risiken und Chancen sowie EnPIs und EnBs müssen auch in der Managementbewertung behandelt werden. Entscheidungen über Möglichkeiten der Verbesserung von Kompetenz, Bewusstsein und Kommunikation sollen neu bei den geforderten Ergebnissen aufgenommen werden. In Übereinstimmung mit der „High Level Structure“ wird bei den Nichtkonformitäten die Anforderung aufgenommen, zu bestimmen, ob vergleichbare Nichtkonformitäten bestehen oder möglicherweise auftreten können; die Forderung nach einer Verbesserung der energiebezogenen Leistung soll mit Unterabschnitt 10.2 auch direkt in die Norm aufgenommen werden.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung der Revision ISO 50001
Ihr Jürgen Paeger

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