UM Umweltmanagement ISO 14001

Risiken und Chancen im Umweltmanagement – Was fordert die DIN EN ISO 14001 : 2015? – ISO 14001:2015 Serie Teil 5

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Der Begriff „Risiken und Chancen“ ist eine bedeutende Neuerung der aktuellen DIN EN ISO 14001 : 2015. Das Kapitel 6.1 der Umweltmanagement Norm ISO 14001 : 2015 beschreibt die Anforderungen zu den „Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen“, welche in einem Umweltmanagement System berücksichtigt und eingebunden werden müssen. Doch was steckt dahinter und was muss beachtet werden, wenn die Änderungen der ISO 14001 Revision in ein bestehendes Umweltmanagementsystem implementiert werden bzw. von Grund auf in ein neues System integriert werden sollen? Ebenfalls stehen die „Risiken und Chancen“ im direkten Zusammenhang mit den „Umweltaspekten“, den „bindenden Verpflichtungen“, der „Planung von Maßnahmen“ sowie den „Umweltzielen“ und deren Erreichung. Doch wo ist hier der Ansatzpunkt für die Organisation und wie lässt sich dies in der Praxis am besten ins Umweltmanagementsystem integrieren?

Unsere ISO 14001:2015 Serie:
Teil 1: 
Die neuen Begriffe der ISO 14001:2015 – so bringen
               Sie diese für Ihr UM-System in eine Ordnung
Teil 2: Die Umweltmanagementsystem ISO 14001:2015
               Einführung – worauf Sie jetzt achten sollten
Teil 3: So planen und erreichen Sie Ihre Umweltziele gemäß
               den Anforderungen im Umweltmanagement
               ISO 14001:2015
Teil 4: Ressourcen, Kompetenzen und Bewusstsein – dies
               sind die Anforderungen der ISO 14001:2015 im
               Umweltmanagement
Teil 5: Risiken und Chancen im Umweltmanagement – Was
‏               fordert die DIN EN ISO 14001:2015?

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Bereits in der Einleitung der ISO 14001 : 2015 wird unter den Erfolgsfaktoren eines Umweltmanagement-Systems darauf hingewiesen, dass die oberste Leitung ihre Risiken und Chancen wirksam handhaben kann, indem sie das Umweltmanagement in die Geschäftsprozesse, strategischen Ausrichtungen und Entscheidungsfindungen der Organisation in Abstimmung mit anderen geschäftlichen Prioritäten integriert sowie eine umweltorientierte Unternehmensführung in das gesamte Managementsystem einbezieht. Im ISO 14001 : 2015 Umweltmanagement sind ebenfalls im Kap. 3 feste Begriffe definiert, um deren Bedeutung genau festzulegen. Dies gilt natürlich auch für die „Risiken und Chancen“ und die damit im Zusammenhang stehenden Begriffe.

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‏                                               Verantwortlichkeiten des Umweltmanagementbeauftragten.


Was verbirgt sich hinter „Risiken und Chancen“ im Umweltmanagement?

Der Begriff „Risiko“ ist laut Kap. 3.2.10 die „Auswirkung von Ungewissheit“. Dieser Begriff wurde gemäß der ISO-Grundstruktur für Managementsystemnormen (HLS) neu aufgenommen. Gemäß den Anmerkungen 1 bis 4 zum Begriff ist dabei eine „Auswirkung“ eine Abweichung vom Erwarteten – in positiver oder negativer Hinsicht. „Ungewissheit“ ist definiert als der „Zustand des auch teilweisen Fehlens von Informationen im Hinblick auf das Verständnis eines Ereignisses oder Wissen über ein Ereignis, seine Folgen oder seine Wahrscheinlichkeit“. Als letzte Anmerkung wird beschrieben, dass „Risiko häufig durch Bezugnahme auf mögliche „Ergebnisse“ und „Folgen“ oder durch eine Kombination beider charakterisiert wird. In Anmerkung 4 wird beschrieben, dass „Risiko“ häufig mittels der Folgen eines Ergebnisses (einschließlich Veränderung der Umstände) in Verbindung mit der „Wahrscheinlichkeit“ seines Eintretens beschrieben wird. Dies ist recht abstrakt beschrieben, aber für das richtige Verständnis und die Anwendung des Begriffes „Risiko“ maßgeblich. Zusammenfassend kann man hier sagen, dass der Begriff „Risiko“ in der ISO-Grundstruktur für Managementsystemnormen (HLS) neutral definiert wird. Im Anforderungsteil der ISO 14001 : 2015 ist er jedoch negativ besetzt. Aus diesem Grund wurde zusätzlich der Begriff „Risiken und Chancen“ definiert, um so zu verdeutlichen, dass „Risiken“ in der ISO 14001 : 2015 potenziell ungünstige Auswirkungen (Bedrohungen) und „Chancen“ potenziell günstige Auswirkungen bedeuten.


Was fordert die ISO 14001 : 2015?

Entsprechend der Grundgliederung von Managementsystemen gemäß der High-Level-Structure (HLS) werden die „Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen“ im Kap. 6.1 aufgegriffen, wobei sich das Kapitel im Hauptblock „Planung“ befindet. Im Kapitel 6.1.1 „Allgemeines“ der ISO 14001 : 2015 wird gefordert, dass die Organisation für die Planung des Umweltmanagement-Systems alle Themen aus Kap. 4.1 („Verstehen der Organisation und ihres Kontextes“) und die genannten Anforderungen aus Kap. 4.2 („Verstehen der Erfordernisse und Erwartungen interessierter Parteien“) sowie den Anwendungsbereich des Umweltmanagement-Systems berücksichtigt und hierzu die Risiken und Chancen ISO 14001 bestimmen, in Verbindung mit ihren Umweltaspekten (Kap. 6.1.2), bindenden Verpflichtungen (Kap. 6.1.3) und anderen in Kap. 4.1 und 4.2 ermittelten Themen und Anforderungen betrachten muss. Dies muss geschehen um:

• sicherzustellen, dass das Umweltmanagement-System seine beabsichtigten
‏    Ergebnisse erreichen kann;
• unerwünschte Auswirkungen zu verhindern oder zu verringern, einschließlich
‏    der Möglichkeit, dass externe Umweltzustände die Organisation beeinflussen;
• fortlaufende Verbesserung zu erreichen.

Hierzu muss das Unternehmen mögliche Notfallsituationen mit Umweltauswirkungen bestimmen. Diese müssen dahingehend dokumentiert und aufrechterhalten werden, dass alle Risiken und Chancen ISO 14001 : 2015 berücksichtigt werden müssen und die nach Kap. 6.1.1 bis 6.1.4 erforderlichen Prozesse sicher geplant durchgeführt werden können. Dies sind:

• 6.1.1: Allgemeine Informationen zum Umgang mit Risiken und Chancen
• 6.1.2: Umweltaspekte
• 6.1.3: Bindende Verpflichtungen
• 6.1.4: Planung von Maßnahmen

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‏                                    gemäß ISO 14001 kennen und umzusetzen.


Was sind die Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen?

Die Maßnahmen zur Ermittlung und Planung der Risiken und Chancen ISO 14001 lassen sich grundsätzlich auf alle Prozesse des Managementsystems beziehen, in welchen sich die Organisation verbessern möchte. Besonders wichtig sind hier jedoch die unter 6.1.2 beschriebenen „Umweltaspekte“ und die im Kap. 6.1.3 beschriebenen „Bindenden Verpflichtungen“, da sie im unmittelbaren Bezug zum Planungsprozess stehen. Entsprechend kann bereits bei der Ermittlung der bedeutenden Umweltaspekte eine Risikobewertung der Umweltrisiken erfolgen, ob es sich um einen bedeutenden Umweltaspekt handelt und dieser somit ein großes Risiko beinhaltet oder nur ein geringeres. Ebenfalls kann dies unter maßgeblicher Einbeziehung der Pflichten und Rechtsfolgen aus bindenden Verpflichtungen erfolgen. Auch hier kann festgelegt werden, welche „bindenden Verpflichtungen“ ein hohes und welche ein geringes Risiko für die Organisation bedeuten. Je höher die Relevanz, desto größer werden die Gefahren des Eintritts ungewünschter Rechtsfolgen und damit auch die Bedeutung des Umweltaspekts.

ISO 14001 : 2015 Umweltmanagement - Beziehung zum PDCA ZyklusEin weiterer nicht zu vernachlässigender Punkt ist die Risikobewertung von interessierten Parteien wie beispielsweise die Ergebnisse einer Umweltverträglichkeitsprüfung, spezielle Schutzgebietsausweisungen durch Behörden, Anwohner oder Kundenbelange. Auch diese sollten nachweislich mit einbezogen werden, da ansonsten die Gefahr der Über- oder Unterschätzung von Umweltrisiken und damit eine fehlerhafte Bewertung der Bedeutung eines oder mehrerer Umweltaspekte bestehen kann. Alle Risiken sind jedoch mit der Chance verbunden, sich hier in der Organisation durch das Umweltmanagement-System gut aufzustellen. Aus diesem Grund sollten die zuvor ermittelten Risiken durch bedeutende Umweltaspekte oder signifikante bindende Verpflichtungen auch als Chancen gesehen werden und durch entsprechende Maßnahmen, wie Umweltziele und Umweltprogramme oder vertrauensbildende Maßnahmen, zu den bindenden Verpflichtungen im UM-System umgesetzt werden. So reduziert z. B. die Sanierung einer umweltrelevanten Anlage das Risiko für die Umwelt, welches sich auf die Bedeutung des Umweltaspektes auswirkt. Ebenfalls kann z. B. die Durchführung eines förmlichen Genehmigungsverfahrens unter Einbeziehung der Öffentlichkeit und der Anwohner bei guter und einvernehmlicher Umsetzung zur Vertrauensbildung der beteiligten Öffentlichkeit beitragen und ist somit eine Chance zu zeigen, was die Organisation zum „Wohle der Umwelt“ beiträgt.


Was bedeutet dies für die Umsetzung der ISO 14001 : 2015?

Der informative Anhang A der DIN EN ISO 14001 : 2015 enthält eine Anleitung zur Anwendung der Norm und soll eine Fehlinterpretation der in der Norm enthaltenden Anforderungen verhindern. Grundsätzlich besteht hierbei ein Zusammenhang zwischen den Anforderungen der verschiedenen Abschnitte. Gemäß Anhang A 6.1 der ISO 14001 : 2015 „Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen“ sollte die Organisation die beabsichtigten Ergebnisse des UM-Systems durch die Bestimmung ihrer zu berücksichtigenden Risiken und Chancen durch die Planung von Maßnahmen sicherstellen. Diese Risiken und Chancen ISO 14001 können mit Umweltaspekten, bindenden Verpflichtungen oder anderen Themen zusammenhängen oder sich auf andere Erfordernisse und Erwartungen interessierter Parteien beziehen. Umweltaspekte (Kap. 6.1.2) können Risiken und Chancen erzeugen, die in Verbindung mit nachteiligen Umweltauswirkungen, vorteilhaften Umweltauswirkungen oder anderen Auswirkungen auf die Organisation stehen.

Die Risiken und Chancen ISO 14001 in Verbindung mit Umweltaspekten können als Teil der Bewertung der Bedeutung oder getrennt bestimmt werden. Bindende Verpflichtungen (Kap 6.1.3) können Risiken und Chancen hervorbringen, wie z. B. Nichterfüllung (was für die Organisation Rufschädigung oder rechtliche Schritte zur Folge haben kann) oder Übererfüllung ihrer bindenden Verpflichtungen (was den Ruf der Organisation verbessern kann). Risiken und Chancen für die Organisation können auch in Verbindung mit anderen Themen stehen. Dies können Umweltzustände oder Erfordernisse und Erwartungen interessierter Parteien sein, welche die Fähigkeit der Organisation beeinflussen können, die beabsichtigten Ergebnisse für ihr Umweltmanagementsystem zu erreichen. Diese können gemäß Anhang A 6.1 der ISO 14001 : 2015 folgende sein:

a) Umweltverschmutzung;
b) Überflutungen;
c) Mangel an verfügbaren Ressourcen in Bezug auf Personal;
d) Einführung und Anwendung neuer Technologien;
e) Ressourcenmangel (z. B. Wassermangel).

Diese im Anhang der ISO 14001 : 2015 genannten Beispiele sind natürlich nur exemplarisch und müssen für jede Organisation speziell erfasst und je nach Bedeutung betrachtet werden.


Risiken und Chancen – Was können die risikobehafteten Notfallsituationen sein?

Gemäß Anhang A 6.1 der ISO 14001 : 2015 sind Notfallsituationen nicht geplante oder unerwartete Ereignisse, welche die sofortige Anwendung spezifischer Kompetenzen, Ressourcen oder Prozesse erfordern, um ihre tatsächlichen oder möglichen Folgen zu verhindern oder zu mindern. Notfallsituationen können zu nachteiligen Umweltauswirkungen oder anderen Auswirkungen auf die Organisation führen (z. B. Feuer, Chemieunfall oder Unwetter). Hierzu müssen die entsprechenden Umgebungsbedingungen und Einrichtungen betrachtet und entsprechend in der Notfallorganisation zur Eindämmung der Umweltrisiken eingebunden werden (z. B. die wahrscheinlichste Art und der wahrscheinlichste Umfang einer Notfallsituation). Im Anhang der ISO 14001 : 2015 Umweltmanagement ist ebenfalls beschrieben, dass obwohl Risiken und Chancen zu bestimmen und zu berücksichtigen sind, es keine Anforderungen für ein formelles Risikomanagement oder einen dokumentierten Risikomanagementprozess gibt. Es liegt an der Organisation, die Methode zu wählen, welche sie zur Bestimmung ihrer Risiken und Chancen verwenden wird. Die Methode darf einen einfachen qualitativen Prozess oder eine vollständige quantitative Bewertung umfassen, abhängig vom Kontext, in dem die Organisation tätig ist. Die ermittelten Risiken und Chancen ISO 14001 dienen dabei als Inputs für die Planung von Maßnahmen und für die Festlegung der Umweltziele.

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Was muss ich in Verbindung mit Risiken und Chancen im UM-System tun?

• Einbeziehung der Risiken und Chancen ISO 14001 : 2015 in die Bewertung der Umweltaspekte
• Berücksichtigung der Risiken und Chancen bei der Erfassung und Überwachung der bindenden Verpflichtungen
• Reduzierung der Risiken durch geeignete Umweltziele (ggf. Anwendung von Umweltkennzahlen)
• Erfassung der Notfallsituationen geplanter oder unerwarteter Ereignisse und Ableitung der Notfallorganisation zur
‏    Gefahrenabwehr
• Einbeziehung der Mitarbeiter zum Umgang mit Risiken und Chancen
• Informationsfluss zu Risiken und Chancen intern und extern sicherstellen
• Betrachtung der Risiken in den internen Audits
• Bewertung der Risiken und Chancen durch die oberste Leistung

 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Gelingen.
Ihr André Mayr


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