UM Umweltmanagement ISO 14001

Betriebliche Planung und Steuerung im Umweltmanagementsystem ISO 14001 und die Bedeutung der Lebenswegbetrachtung – ISO 14001:2015 Serie Teil 10

Umweltprozesse_Banner„Von der Wiege bis zur Bahre“ – Auch wenn die ISO 14001:2015 keine Verfahren im Sinne festgelegter Abläufe mehr fordert, müssen die Zusammenhänge und die sich gegenseitig beeinflussenden Tätigkeiten als Prozess im Managementsystem definiert und festgelegt werden. Die in der Vorgängerrevision unter „Ablauflenkung“ beschriebenen Forderungen wurden im Unterabschnitt 8.1 der ISO 14001:2015 um einige wesentlichen Punkte erweitert. Hierzu zählt neben der Betrachtung der Änderung von umweltrelevanten Prozessen auch die explizite Forderung nach einer Steuerung oder Beeinflussung der ausgegliederten Prozesse, welche in vielen Organisationen oftmals einen bedeutenden Einfluss auf die Organisation und die interessierten Parteien und somit auf die betriebliche Planung hat. Dabei rückt die Lebenswegbetrachtung der Unternehmensprozesse, in welchem die bedeutenden Umweltauswirkungen der Organisation von der Beschaffung bis zur Beseitigung in allen Phasen des Produktzyklus beleuchtet werden müssen, stärker in den Mittelpunkt. Dies sind Anforderungen, welche für die betriebliche Planung und Steuerung ISO 14001 des Umweltmanagementsystems unerlässlich sind.

Unsere ISO 14001:2015 Serie:
Teil 1:    
Die neuen Begriffe der ISO 14001:2015 – so
‏                  bringen Sie diese für Ihr UM-System in eine
                  Ordnung
Teil 2:    Die Umweltmanagementsystem ISO 14001:2015
‏                  Einführung – worauf Sie jetzt achten sollten
Teil 3:    So planen und erreichen Sie Ihre Umweltziele
‏                  gemäß den Anforderungen im Umweltmanagement
‏                  ISO 14001:2015
Teil 4:    Ressourcen, Kompetenzen und Bewusstsein – dies
‏                  sind die Anforderungen der ISO 14001:2015 im
‏                  Umweltmanagement
Teil 5:    Risiken und Chancen im Umweltmanagement –
‏                  Was fordert die DIN EN ISO 14001:2015?

Teil 6:    Interne und externe Kommunikation im
‏                  Umweltmanagement – so erfüllen Sie die
‏                  ISO 14001:2015 Forderungen
Teil 7:    Kontext der Organisation – so bestimmen Sie
‏                  externe und interne Themen im UM gemäß
‏                  den ISO 14001 Anforderungen
Teil 8:    Interessierte Parteien im Umweltmanagement
‏                  ISO 14001:2015 – was bei der Betrachtung
‏                  der Stakeholder zu beachten ist
Teil 9:    Dokumentierten Informationen – So erfüllen Sie die
‏                 
Anforderungen der ISO 14001 Revision 2015
Teil 10: Betriebliche Planung und Steuerung im
‏                  Umweltmanagementsystem ISO 14001:2015 und
‏                  die Bedeutung der Lebenswegbetrachtung


Betriebliche Planung und Steuerung – Was fordert die ISO 14001:2015?

Gemäß dem Unterabschnitt 8.1 der ISO 14001:2015 muss die Organisation die Prozesse zur Erfüllung der Anforderungen an das UM-System und zur Durchführung der unter den Unterabschnitten 6.1 (Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen) und 6.2 (Umweltziele und Planung zu deren Erreichung) ermittelten Maßnahmen aufbauen, verwirklichen, steuern und aufrechterhalten. Hierzu müssen zunächst die betrieblichen Kriterien für die Prozesse festgelegt werden und die Steuerung der Prozesse in Übereinstimmung mit den betrieblichen Kriterien durchgeführt werden. Die Steuerung kann hier ein Verfahren und technische Maßnahmen umfassen, dabei kann die Steuerung einer Hierarchie folgend verwirklicht und einzeln oder in Kombination genutzt werden (z. B. Beseitigung, Substitution, administrativ).

PDCA_ISO1400_2015Die Organisation muss sich in Planung befindliche Änderungen überwachen, sowie die Folgen unbeabsichtigter Änderungen beurteilen und, falls notwendig, betriebliche Maßnahmen ergreifen, um jegliche negativen Auswirkungen zu vermindern. Die Organisation muss ebenfalls sicherstellen, dass ausgegliederte Prozesse gesteuert oder beeinflusst werden. Dabei müssen die Art und das Ausmaß der Steuerung oder des Einflusses auf die angewendeten Prozesse innerhalb des Umweltmanagementsystems festgelegt werden. Die Organisation muss eine Lebenswegbetrachtung durchführen und dabei folgende Punkte berücksichtigen:

  1. Aufbau von angemessenen Steuerungselementen, um sicherzustellen, dass ihre Umweltanforderungen beim Entwicklungsprozess für das Produkt oder die Dienstleistung unter Berücksichtigung jedes Abschnitts im Produktlebenszyklus in den Blick genommen werden;
  2. Bestimmung der Umweltanforderungen für die betriebliche Planung der Beschaffung von Produkten und Dienstleistungen (soweit angemessen);
  3. Kommunizieren der wesentlichen Umweltanforderungen an externe Anbieter, einschließlich Vertragspartner;
  4. Berücksichtigung und Bereitstellung der not- wendigen Informationen über mögliche bedeutende Umweltauswirkungen im Zusammenhang mit Transport, Lieferung, Nutzung, Behandlung am Ende des Lebenswegs und der endgültigen Beseitigung der Produkte und Dienstleistungen.

Um darauf vertrauen zu können, dass die Prozesse wie geplant durchgeführt wurden, muss die Organisation dokumentierte Informationen im notwendigen Umfang aufrechterhalten.

GRATIS VORLAGE: Nutzen Sie die gratis Vorlage Stellenbeschreibung UMB ISO 14001 zur Definition der Aufgaben und
‏                                               Verantwortlichkeiten des Umweltmanagementbeauftragten.


Wie können die ISO 14001:2015 Forderungen umgesetzt werden?

Um die zuvor beschriebenen Normforderungen umsetzen zu können, müssen ebenfalls die im informativen Anhang A der ISO 14001:2015 unter A 8.1 beschriebenen Anleitungen zur Anwendung der Norm berücksichtigt werden. Gemäß der Anleitung zur Anwendung sind die Art und das Ausmaß der Ablaufsteuerung(en) abhängig von:

• der Art der Betriebsabläufe,
• den Risiken und Chancen,
• bedeutenden Umweltaspekten und
• bindenden Verpflichtungen.

Eine Organisation kann dabei flexibel die erforderliche Methodenart zur Ablaufsteuerung (einzeln oder in Kombination) auswählen, um sicherzustellen, dass betriebliche Prozesse wirksam sind und die in der Planung definierten Ergebnisse erreicht werden. Solche Methoden können dabei die folgenden Elemente umfassen:

• die Gestaltung von Prozessen auf eine Art, die Fehler verhindert und konsistente Ergebnisse sicherstellt,
• den Einsatz von Technologie, um betriebliche Prozesse zu steuern und ungünstige Ergebnisse zu verhindern (d. h. technische
‏    Steuerungen),
• den Einsatz von kompetentem Personal zur Sicherstellung der gewünschten Ergebnisse
• die Durchführung von Prozessen auf eine festgelegte Art,
• die Überwachung oder Messung von Prozessen zur Überprüfung der Ergebnisse,
• die Bestimmung der Verwendung und Menge erforderlicher dokumentierter Information

Die Organisation kann dabei selbst über das Ausmaß der erforderlichen Steuerung innerhalb ihrer eigenen Geschäftsprozesse (z. B. Beschaffungsprozess) bestimmen, um ausgelagerte Prozesse oder Anbieter von Produkten und Dienstleistungen zu steuern oder zu beeinflussen. Dabei sollte die Entscheidung z. B. auf folgenden Faktoren basieren:

Wissen
Das Wissen, die Kompetenz und die Ressourcen, einschließlich der Kompetenz des externen Anbieters, um die Anforderungen des UM-Systems der Organisation zu erfüllen, um die technische Kompetenz der Organisation die angemessene Steuerungen festzulegen oder die Eignungen von Steuerungen zu bewerten.

Bedeutung
Die Bedeutung und möglichen Auswirkungen, welche das Produkt oder die Dienstleistung auf die Fähigkeit der Organisation haben wird, um die beabsichtigten Ergebnisse des Umweltmanagementsystems zu erreichen.

Ausmaß
Das Ausmaß, in dem die Steuerung der Prozesse geteilt wird.

Fähigkeit
Die Fähigkeit, die erforderliche Steuerung durch die Anwendung ihres allgemeinen Beschaffungsprozesses zu erreichen.

Umsetzung
Die Umsetzung von vorhandenen Verbesserungsmöglichkeiten.

Sollte ein Prozess ausgelagert sein oder sollten Produkte und Dienstleistungen durch externe Anbieter geliefert werden, kann die Fähigkeit der Organisation, betriebliche Steuerung oder Einfluss auszuüben, von direkter Steuerung zu eingeschränktem oder gar keinem Einfluss in der Planung schwanken. Ein ausgelagerter Prozess kann in manchen Fällen möglicherweise der direkten Steuerung unterliegen, wenn diese vor Ort durchgeführt wird. In anderen Fällen kann die Beeinflussung ausgelagerter Prozesse oder externer Lieferanten in der Fähigkeit der Beeinflussung einer Organisation beschränkt sein. Werden die Art und das Ausmaß von Ablaufsteuerungen in Bezug auf externe Anbieter, einschließlich Auftragnehmer bestimmt, so darf die Organisation eine oder mehrere Faktoren berücksichtigen. Hierzu zählen z. B.:

• die Umweltaspekte und die damit verbundenen Umweltleistungen,
• die mit der Herstellung ihrer Produkte oder der Bereitstellung ihrer Dienstleistungen verbundenen Risiken und Chancen,
• die bindenden Verpflichtungen der Organisation.

AUSBILDUNG: Mit der Ausbildung Basiswissen ISO 14001:2015 lernen Sie die Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem
‏                                    gemäß ISO 14001 kennen und umzusetzen.


Ausgegliederter / Ausgelagerter Prozess – Definition für die betriebliche Planung

Ein Prozess ist als Satz zusammenhängender und sich gegenseitig beeinflussender Tätigkeiten, der Eingaben in Ergebnisse umwandelt, definiert. Dabei kann ein Prozess dokumentiert sein oder nicht. Laut der Begriffsdefinition im Kapitel 3.3.4 ist „ausgliedern“ eine getroffene Vereinbarung, bei der eine externe Organisation einen Teil einer Funktion oder eines Prozesses einer Organisation wahrnimmt bzw. durchführt. Eine externe Organisation befindet sich dabei außerhalb des Anwendungsbereichs des Managementsystems, obwohl die ausgegliederte Funktion oder der ausgegliederte Prozess im Rahmen des Anwendungsbereiches liegt. Gemäß den Informationen im Anhang A ist ein ausgelagerter Prozess ein Prozess, der Folgendes erfüllt:

• er liegt innerhalb des Anwendungsbereichs des Umweltmanagementsystems,
• er ist für das Funktionieren der Organisation wesentlich,
• er ist für das Erreichen der in der Planung definierten Ergebnisse des Umweltmanagementsystems erforderlich,
• seine Haftung für die Übereinstimmung mit den Anforderungen verbleibt bei der Organisation,
• die Organisation und der externe Anbieter haben eine Beziehung, bei der der Prozess von interessierten Parteien so
‏    wahrgenommen wird, als ob er durch die Organisation selbst durchgeführt wird.


Was sind „Umweltanforderungen“ und „Umweltauswirkungen“ und welche Bedeutung hat die Lebenswegbetrachtung?

Als Umweltanforderungen werden in diesem Zusammenhang die umweltbezogenen Erfordernisse und Erwartungen der Organisation bezeichnet, welche sie für interessierte Parteien festlegt und mit ihnen kommuniziert. Bedeutende Umweltauswirkungen können z. B. während des Transports, der Lieferung, Nutzung, Behandlung am Ende der Lebenswegbetrachtung oder bei der endgültigen Beseitigung ihres Produkts oder ihrer Dienstleistung auftreten. Nachteilige Umweltauswirkungen können während dieser Abschnitte des Lebenswegs durch die Bereitstellung von Informationen verhindert oder gemindert werden.

AUSBILDUNG: Mit der Ausbildung Umweltmanagementbeauftragter ISO 14001:2015 bereiten Sie sich auf Ihre Rolle als
‏                                    UMB vor und lernen Ihre Verantwortlichkeiten im Umweltmanagementsystem kennen.


Diese Auswirkungen ergeben sich durch die neue ISO 14001:2015 in Bezug auf die betriebliche Planung und Steuerung sowie die Lebenswegbetrachtung

Neben den Forderungen nach Prozessen wird das Management von Änderungen deutlich gezielter angesprochen. Die betriebliche Planung und Anforderung zum „Einführen, Verwirklichen und Aufrechterhalten dokumentierter Verfahren“ wurde in der Fassung der ISO 14001:2015 flexibler gestaltet, wobei Art und Ausmaß der Organisation überlassen wird. Ebenfalls erfolgt eine explizite Forderung nach der Steuerung ISO 14001 oder (wenn nicht anders möglich) nach Beeinflussung von ausgegliederten Prozessen. Dabei entscheidet die Organisation über das Ausmaß der erforderlichen Steuerung innerhalb ihrer eigenen Geschäftsprozesse, um ausgelagerte Prozesse oder Anbieter von Produkten und/oder Dienstleistungen zu steuern oder zu beeinflussen. Im Vergleich zur Vorgängerrevision rückt die Lebenswegbetrachtung stärker in den Mittelpunkt, wobei keine umfangreiche Ökobilanz zur Lebenswegbetrachtung gefordert wird. Es muss eine Lebenswegbetrachtung von der Beschaffung, über den Transport, die Nutzung bis zur endgültigen Beseitigung vollzogen werden, wenn die Umweltauswirkungen innerhalb des Lebenszyklus eines Produktes bedeutend sind. Durch die Bereitstellung von Informationen können dabei möglicherweise nachteilige Umweltauswirkungen während der kritischen Abschnitte des Lebenswegs verhindert oder gemindert werden. Die Umweltanforderungen der umweltbezogenen Erfordernisse und Erwartungen der Organisation sollen für die interessierten Parteien festgelegt und ihnen kommuniziert werden.

 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung.
Ihr André Mayr


STOP_BlogGerne teilen wir unser Wissen mit Ihnen, bitte beachten Sie dennoch, dass die Inhalte der Blogbeiträge urheberrechtlich geschützt sind.

Durch die Publizierung der Blogbeiträge sind Sie daher nicht berechtigt, diese zu verkaufen, zu lizenzieren, zu vermieten oder anderweitig für einen Gegenwert zu übertragen oder zu nutzen. Sie sind weiterhin nicht berechtigt, die Inhalte der Blogbeiträge in eigenständigen Produkten, welche nur die Inhalte der Blogbeiträge selbst beinhalten oder als Teil eines anderen Produkts zu vertreiben. Weiterhin dürfen Inhalte dieses Blogs auch auszugsweise nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers verwendet werden.
Besten Dank für Ihr Verständnis.

 

Keine Kommentare

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *