ISHIKAWA DIAGRAMM: KLEINE URSACHE – GROßE WIRKUNG

Von Simone Zach

Das Ishikawa Diagramm als Qualitätswerkzeug ist für Unternehmen heutzutage ein wichtiges und beliebtes Mittel beim Finden von Problemursachen! Das Besondere: Die Ursachen werden mehrmals hinterfragt und generieren somit eine längere und intensivere Auseinandersetzung mit dem Problem.

Vorlage_Ishikawa_kostenlosAus diesem Grund haben wir dieses Thema in unserer aktuellen QUALITY MOVES (Ausgabe Nov. 09) aufgegriffen! Sie erhalten darin nicht nur eine ausführliche Beschreibung der Methode, sondern erfahren alles über die Anwendung und den Nutzen des Ishikawa-Prinzips! Das Besondere: Dank des passend zum Thema beigefügten Tools “Vorlage Ishikawa-Diagramm”, welches die Schritte 1-6 noch einmal aufgreift und Ihnen die Datenerfassung erleichert, können Sie Ihr generiertes Wissen sofort anwenden.

Um Ihnen einen kleinen Einblick in den Artikel zu geben, erhalten Sie hier exklusiv eine Leseprobe dieser QUALITY MOVES:

„Die Kenntnis der Ursachen bewirkt die Erkenntnis der Ergebnisse” – dieses Prinzip hatte Cicero bereits im Juli des Jahres 44 v. Chr. während einer Seereise in

der „Topica”, seinem Werk über die „Techniken des Argumentierens”, formuliert. Ob der Japaner Kaoru Ishikawa in den 1940er Jahren davon inspiriert wurde, diese Tatsache in die heutige Form des Fischgrät-Diagramms weiter zu entwickeln, ist leider nicht überliefert. Was Ishikawa jedoch mit Sicherheit beeinflusste, ist die Tatsache, dass derartige Prinzipien dieselbe Gültigkeit wie Naturgesetze besitzen. Prinzipien sind somit als unveränderlich zu akzeptieren, verleihen deshalb auch eine gewisse Sicherheit, die kein Trend gewähren kann. Wie Sie das Prinzip der Ursache-Wirkungs-Beziehung im Sinne des Erfinders Ishikawa zum Vorteil Ihrer Organisation z.B. zur Optimierung Ihrer Prozesse nutzen können, erfahren Sie im folgenden Text – ganz in dem Sinne: „Es gibt keine Ernte (Verbesserung) ohne zu säen (Aktivität)”.

Ausbildung: Hier zeigen wir Ihnen, wie Sie ein ISHIKAWA Diagramm nutzen.

DAS URSACHE-WIRKUNGS-DIAGRAMM - ALS TEIL DER Q7

Das Ishikawa-Diagramm wurde als ein integrierter Bestandteil der Q7 (sieben Qualitätswerkzeuge) konzipiert. Alle Werkzeuge sind (visuelle) Hilfsmittel um Probleme zu erkennen, zu verstehen und zu lösen. Diese Qualitätswerkzeuge gliedern sich generell in zwei Kategorien:

1. Die Fehlererfassung, mit

  • Fehlersammelliste,
  • Histogramm undQualitaetswerkzeuge
  • Qualitätsregelkarte.

2. Die Fehleranalyse, mit

  • Brainstorming,
  • Korrelationsdiagramm,
  • Pareto-Diagramm und
  • Ursache-Wirkungs-Diagramm.

Das Ishikawa-Diagramm wird deshalb sehr oft im Anschluss an eine Pareto-Analyse durchgeführt, um mögliche Ursachen für die identifizierten Hauptprobleme zu ermitteln.

ANWENDUNG UND NUTZEN DES ISHIKAWAPRINZIPS

Ursprünglich im Qualitätsmanagement beheimatet, wird das Ishikawa-Diagramm heute auch auf viele andere betriebliche Problemfelder übertragen und hilft dort, die möglichen Problemursachen zu identifizieren.

Der Grund: Im betrieblichen Alltag werden oft „Schnelle Analysen” („quick and dirty”) als Arbeitsgrundlage verwendet, die erstbeste „Eingebung” für aufgetretene Probleme wird den Maßnahmen zu Grunde gelegt. Die Ishikawa-Denkweise hilft diese Klippen zu umschiffen, indem sicher gestellt wird, nicht nur die offensichtlichen Ursachen, sondern ggf. alternative oder tiefer gehende Ursachen bzw. Einflussfaktoren in das Kalkül zu ziehen.

URSACHENGRUPPEN GEBEN EINE „STRUKTUR ERSTER ORDNUNG

Das Ishikawa-Diagramm unterstützt ein Problemlösungsteam, alle denkbaren Ursachen eines Problems oder Zustands mit deren Teilund Nebenursachen heraus zu finden, indem es eine Grundstruktur von 5 Ursachendimensionen vorgibt:

  • Mensch: Am Problem beteiligte Personen, die auf Grund fehlender Erfahrung, Fähigkeiten usw. die Ursache darstellen.
  • Maschine: Anlagen, Arbeitsplätze, Maschinen,Werkzeuge und sonstige Arbeitsmittel, die Ursache sein könnten.
  • Methoden: Alle Ursachen, die durch Arbeitsabläufe, Organisationsstrukturen, Anweisungen, Verfahren bedingt sein könnten.
  • Material: Alle Ursachen auf Grund der eingesetzten Materialien, Roh(-Stoffe), Werkstoffe oder auch Zulieferteile.
  • Mitwelt: Alle Unzulänglichkeiten durch Umgebungseinflüsse (Kunden, gesetzliche Vorschriften, Markt, Natur).

Diese Hauptursachen werden dann als „Gräten” in das Ishikawa-Diagramm eingezeichnet.

URSACHE-WIRKUNGSDENKEN IST TEAMARBEIT

Die Idee des Kaoru Ishikawa liegt bei der Umsetzung darin, dass durch die Erfassung des gemeinsamen Wissens der Teammitglieder alle für das Team denkbaren Einflussfaktoren abgedeckt werden. Ein Ishikawa-Diagramm sammelt somit das „Expertenwissen” der Teilnehmer in einer speziellen Form des Brainstormings. Es liefert einen Schnappschuss des kollektiven Wissens und einen Konsens über die Ursachen des Problems. Die Problemstellung wird somit fundiert angegangen.

Bitte denken Sie immer an Folgendes: Die Ergebnisse eines Ishikawa-Diagramms liefern nicht zwangsläufig die tatsächliche Ursache der zu bearbeitenden Probleme, denn sie bilden die Vermutungen der Teilnehmer ab.

Die Relevanz der Ergebnisse sollte deshalb immer in der Praxis überprüft werden!

AN- UND VERWENDUNG DES ISHIKAWA-DIAGRAMMS

Um ein Ishikawa-Diagramm zu erstellen, eignen sich insbesondere große Arbeitsflächen aus Papier, beispielsweise zwei nebeneinander aufgehängte Flipchartbögen oder ein großer Bogen Papier für die Metaplanwand. Je mehr Platz, desto besser.

Schritt 1: Definition der Problemstellung

Bei der Erstellung eines Ishikawa-Diagramms wird immer mit der Formulierung zum Beispiel eines zu vermeidenden Hauptproblems begonnen, getreu dem Merksatz: „Der Fisch beginnt am Kopf zu riechen”.

Wichtig ist dabei: Alle Teilnehmer müssen sowohl verstanden haben, was das Problem ist, als auch mit der Formulierung des Problems einverstanden sein.

Schritt 2: Konkretisierung der 5M’s

Anschließend werden das Rückgrat und die meist fünf Fischgräten gezeichnet (dicke Flipchartstifte steigern die Sichtbarkeit für die Gruppe).

Nun müssen die 5M’s in die Situation „übersetzt” werden. Passiert dies nicht, ist die Gefahr groß, dass jeder Teilnehmer etwas anderes assoziiert. Beispiel: Ist der Mensch nun der Kunde oder der Mitarbeiter? Welche Maschine ist in diesem Zusammenhang relevant?

BEI 5M´S IST NICHT SCHLUSS

Abhängig vom Einsatzbereich und der Problemstellung werden noch weitere M’s formuliert, wie z.B.:

  • Management: Ursachen durch am Problem beteiligte Führungskräfte und deren Führungsverhalten.
  • Messung: Durch Fehler bei den ver wendeten Mess- und Erfassungsmethoden entstandene Problemursachen.

Schritt 3: Ermitteln potenzieller Ursachen

In diesem Schritt werden zu jeder der fünf Ursachendimensionen die Einzelursachen und deren Nebenursachen gesucht. In einem Produktionsprozess könnte dann die Frage z.B. lauten:

„Welchen Einfluss hat der Faktor „Verpackungsanlage” (= Maschine) auf das Problem der beschädigten Oberflächen (= Wirkung)?”.

Das Entscheidende am Ishikawa-Prinzip und der Unterschied zu einfachen Ursache-Wirkungs-Diagrammen ist das mehrfache Nachfragen, „Warum?” die Haupt- und Nebenursache einen Einfluss auf das Hauptproblem besitzt.

Durch dieses Nachfragen erreicht die Beschäftigung und damit die Analyse eine Tiefe, die im normalen Arbeitsalltag in der Regel nicht erreicht wird. Bei der Verwendung nach dem japanischen Verständnis wird die Hauptursache mindestens dreimal, am besten bis zu fünfmal mit „Warum?” hinterfragt! Dabei werden alle genannten Ursachen aus der Runde ins Diagramm aufgenommen. Analog den Brainstormingregeln sollte bei der Erstellung des Ishikawa-Diagramms keine (Be-)Wertung eines Beitrages erfolgen.

KVP Paket inkl. IshikawaSchritt 4: Prioritäten setzen

Um von der nun meist großen Anzahl an gefundenen potenziellen Ursachen zu den Hauptursachen zu kommen, kann zunächst eine Klassifizierung der Ursachen durchgeführt werden:

A = starker Einfluss auf die Wirkung

B = mittlerer Einfluss auf die Wirkung

C = schwacher Einfluss auf die Wirkung

Der Einfluss jeder Ursache wird eingeschätzt und im Diagramm visuell hervorgehoben. Anschließend werden nur noch die A-Ursachen weiter betrachtet. Zu diesen werden nun Zahlen, Daten und Fakten gesammelt, um die tatsächliche(n) Hauptursache(n) zu bestimmen. Bei der Auswertung der A-Ursachen sollte auch darauf geachtet werden, ob Ursachen gehäuft auftreten und ob „Cluster” erkennbar sind. Das wäre ein Hinweis auf systematische Hauptursache(n).

Schritt 5: Überprüfung der Ursachen

In diesem Schritt werden die als am wichtigsten angenommenen A-Ursachen auf ihre Richtigkeit überprüft. Dabei wird auf vorhandene Kenntnisse und Erfahrungen zurückgegriffen. Eventuell sollte hier die Überprüfung auch unter zu Hilfenahme von Versuchen oder Experten erfolgen. Statistisch kann die Annahme, dass eine identifizierte Ursache auch eine Hauptursache ist, mit einem Signifikanztest (Hypothesentest) gestützt werden. Nach Abschluss dieses Schrittes sollte das Projektteam noch einmal zu einer Brainstorming-Sitzung zusammenkommen, um das nun fertigeIshikawa-Diagramm noch einmal komplett durchzugehen, denn dabei können noch einige weitere Ideen bzw. Zusammenhänge entstehen.

Schritt 6: Finden von Problemlösungen

Nachdem das abgestimmte Ursache-Wirkungs-Diagramm vorliegt, werden basierend auf den erarbeiteten Einzel- und Nebenursachen, Maßnahmenpläne entwickelt. Diese Pläne stellen dar, wie das Problem langfristig durch Korrekturmaßnahmen beseitigt, bzw. durch präventive Maßnahmen verhindert werden kann. Die einzelnen Maßnahmen sollten nach ihren Vor- und Nachteilen bewertet werden. Zusätzlich sollten auch die Qualität, die Kosten und Einführungsdauer jeder Maßnahme ermittelt werden und mit in die Bewertung einfließen. Aus diesen bewerteten Maßnahmenplänen wird die optimale Lösung ermittelt.

FAZIT:

Wesentliche Vorteile des Ishikawa-Prinzips sind die gute Diskussionsgrundlage bei Gruppenarbeit, die vielseitige Betrachtungsweise der Probleme und die leichte Erlern- und Anwendbarkeit. Damit sich für Sie auch der Aufwand bei der Vorbereitung und Durchführung in Grenzen hält, erhalten Sie mit dieser Ausgabe eine fertige Excel-Vorlage eines Ishikawa-Diagramms zur sofortigen Nutzung.

Reinhold Kaim

(QMB, EOQ-Quality Auditor)

Sind Sie neugierig geworden? Hier können Sie alle Inhalte der aktuellen Ausgabe nachlesen!

Dann probieren Sie unsere QUALITY MOVES doch einfach kostenlos aus! Hier gehts zum 31-Tage-Test! Wir freuen uns auf Sie!

Viele Grüße

Ihre Simone Grams

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Der Autor

Name: Simone Zach

Bio: Simone Zach ist Leiterin des Bereichs Marketing bei der VOREST AG. Zu ihren Aufgaben gehört auch das Produktmanagement der Fachinfo PRO SYS, was alle organisatorischen Maßnahmen von der Anlieferung der Artikel und Tools bis hin zur Produktion und rechtzeitigen Versendung der aktuellen Ausgabe beinhaltet.

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