Lebensmittelsicherheit, HACCP, IFS, BRC & FSSC

IFS Food Version 6.1 – wir zeigen Ihnen, welche Änderungen der überarbeitete IFS Food Standard mit sich bringt

IFS Food Version 6.1 - Änderungen IFS Food Standard - Banner

Das vergangene Jahr war gekennzeichnet durch zahlreiche Änderungen der verschiedenen Lebensmittelsicherheitsstandards. Neue GFSI Guidance Documents im Juli, ebenfalls im Juli die Veröffentlichung der Version 4.1 des FSSC 22000, einige neue Standardversionen von BRC und IFS (z. B. BRC Global Standards for Agents and Brokers oder IFS Cash & Carry oder Logstics), Draft-Version der ISO 22000. Der Knaller zum Jahresende kam dann aber vom IFS. Ende des Jahres informierte die IFS Management GmbH in Newslettern, dass anstelle der für Januar erwarteten Version 7 des IFS (die nun für Ende 2018 angekündigt ist) zunächst schon im November 2017 eine „Zwischenversion“ 6.1 des IFS Food veröffentlicht werden würde. Seit kurzer Zeit gibt es nun diese neue Version des IFS Food Standards. In unserem heutigen Beitrag erläutern wir Ihnen, was mit der neuen Version 6.1 auf Sie zukommt.

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Ab wann gilt die IFS Food Version 6.1?

Die neuen Anforderungen des IFS Food 6.1, der am 30. November 2017 in englischer Fassung veröffentlicht wurde, müssen in Zertifizierungsaudits ab dem 01. Juli 2018 angewendet werden. Das heißt, wenn Ihr Zertifizierungs- bzw. Überwachungsaudit vor diesem Datum liegt, werden Sie noch nach der Version IFS Food 6 vom April 2014 auditiert. Für alle Audits  nach bzw. ab dem 01. Juli 2018 wird der IFS Food 6.1 von November 2017 zugrunde gelegt.

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Änderungen des IFS 6.1 zu den Anforderungen in den Bereichen Food Fraud und Allergene

In Bezug auf die Anforderungen des Standards an Betriebe, die ein (zertifiziertes) Managementsystem nach IFS Food aufgebaut haben, hat es nur zwei Änderungen gegeben. Zum einen ist ein Kapitel 4.21 Food Fraud ergänzend eingefügt worden. Dieses haben wir in der Dezemberausgabe des Expertenbriefs detailliert erläutert.  Zum anderen ist ein Absatz in Bezug auf Allergenmanagement 4.20.2 geändert worden. Hier wurde in der vorigen Version gefordert, dass bei der „Herstellung von Produkten, die kennzeichnungspflichtige Allergene enthalten“, Kreuzkontaminationen weitestgehend minimiert werden sollen. In der neuen Fassung wird in Bezug auf das Kontaminationsrisiko mit Allergenen explizit eine Gefahrenanalyse gefordert. Diese sollte zwar auch bisher im Rahmen des HACCP Systems durchgeführt werden, hier ist sie allerdings nochmal ausdrücklich gefordert. Basierend auf der HACCP Gefahrenanalyse sollen dann Maßnahmen zum Schutz vor Kontaminationen festgelegt und umgesetzt werden. Der Ablauf zur Minimierung von Kreuzkontaminationen in Bezug auf Allergene soll wie folgt durchgeführt werden:

Ablauf zur Minimierung von Kreuzkontaminationen in Bezug auf Allergene

Für diese einzelnen Schritte müssen im Zertifizierungsaudit Nachweise erbracht werden, das heißt, es muss Vorgabedokumente (z. B. Gefahrenanalyse, Pro-zessbeschreibungen, Verfahrens- oder Arbeitsanweisungen) und Aufzeichnungen geben.


Der IFS Food Standard 6.1 und das IFS Integrity Program

Die Regeln für das Integrity Program des IFS sind grundlegend verändert worden. Es geht nach wie vor um das Qualitätssicherungsprogramm des IFS, mit dem das gesamte Zertifizierungssystem überwacht wird. Möglicherweise ist Ihr Unternehmen noch nicht mit diesem Programm in Berührung gekommen. Viele zertifizierte Betriebe und auch die Zertifizierungsstellen sind aber direkt betroffen. Das Integrity Program gliedert sich in drei Bereiche:

  • Beschwerdemanagement
  • Risikobasierter Ansatz und Überwachung der IFS Qualitätssicherung
  • Sanktionen

Beschwerdemanagement
Grundsätzlich haben „interessierte Parteien“, insbesondere natürlich der Handel, das Recht, Beschwerde gegen das Verfahren einzureichen. Dafür wurde eigens eine E-Mail-Adresse eingerichtet und ein Formular auf die Homepage des IFS zur Verfügung gestellt. Es könnte zum Beispiel sein, dass eine Handelskette gehäuft Reklamationen bezüglich der Qualität eines Produktes bekommt. Der Hersteller des Produktes ist aber IFS zertifiziert (ggf. higher level). Da passt die Realität ggf. nicht mit dem zusammen, wie sich der Betrieb im Audit dargestellt hat.  Beschwerden werden durch ein Gremi-um des IFS analysiert und entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Es wird geprüft, ob durch das zertifizierte Unternehmen, die Zertifizierungsstelle oder Auditoren Mängel vorliegen. Aufgrund dieser Prüfung kann es zu Integrity Audits vor Ort (in dem zertifizierten Betrieb) kommen. Es könnte auch ein Audit in der Zertifizierungsstelle durchgeführt werden oder ein sogenanntes Witness-Audit, bei dem die Leistung des Auditors begutachtet wird. Wird ein Integrity Audit vor Ort durchgeführt, ist dieses immer nur kurzfristig (30 Minuten bis zu 48 Stunden vor dem Audit) angekündigt.

Risikobasierte Überwachung
Um sicherzustellen, dass das gesamte Zertifizierungsverfahren regelgerecht abläuft, führt der IFS mit eigenen Auditoren regelmäßig Integrity Audits durch. Das können Audits in der Zertifizierungsstelle sein, bei denen das gesamte Verfahren inkl. der Leistung der Auditoren überprüft wird. Es könnte auch darauf basierend zu Witness-Audits kommen, bei denen einzelne Auditoren überprüft werden. Auch sogenannte Integrity on-site Checks werden nach Auswertungen der Auditberichte und sonstiger risikobasierter Ansätze durchgeführt. Das Unternehmen, das sich durch die Zertifizierung den Regeln des IFS unterwirft, muss die Integrity Audits akzeptieren. In der Regel ist das auch im Vertrag mit der Zertifizierungsstelle noch einmal festgelegt. Achten Sie darauf, dass Sie Abweichungen aus IFS-Audits termingerecht abarbeiten. Es könnte sein, dass einige Wochen nach dem IFS-Audit ein kurzfristig angekündigtes (30 Minuten vorher) Integrity Audit stattfindet. Dabei wird dann natürlich auch überprüft, ob alle Korrekturmaßnahmen nach Maßnah-menplan bereits abgearbeitet sind.

Sanktionen
Für den Fall, dass in einem Integrity Audit Mängel in der Durchführung der Audits festgestellt wurden, werden die Informationen anonym an ein Sanktionskomitee weitergeleitet, das sich aus Juristen, Mitgliedern der Wirtschaft, Handelsunternehmen und Zertifizierungsstellen zusammensetzt. Dieses entscheidet darüber, ob ein Verstoß vorliegt und wenn ja, wie umfangreich dieser ist. Entsprechend wird die Art und Höhe der Sanktion festgelegt. Es kommt immer wieder zu dreimonatigen Suspensionen von Zertifizierungsstellen, die gravierende Fehler gegenüber dem Regelwerk machen. Mit einer E-Mail vom 12.01.2018 hat der IFS gerade eine solche Suspendierung wieder veröffentlicht. Für den Fall, dass sich im Integrity Audit das Unternehmen wesentlich schlechter präsentiert als im Zertifizierungsaudit, leitet im Zweifelsfall die Zertifizierungsstelle Maßnahmen ein. Das könnte bis hin zum Entzug des Zertifikats führen.

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Änderungen in den Regeln, die die IFS Food Zertifizierung betreffen

Neben einigen redaktionellen Anpassungen gibt es auch einige Änderungen, die für die IFS Food Zertifizierung bzw. Durchführung der IFS Audits wichtig sind.

Wie oft darf ein Auditor auditieren?
In diesem Punkt gibt es eine deutlichere Klarstellung. Es bleibt dabei, dass ein Auditor nur maximal dreimal in Folge eine Betriebsstätte auditieren darf. Während aber in der vorigen Version eine „Betriebsstätte eines Unternehmens“ angesprochen wurde, wird nun nur noch von einer „Production Site“ gesprochen. Das heißt, auch wenn ein Unternehmen übernommen oder umfirmiert wird, gilt für die Produktionsstätte der Dreijahresrhytmus.

Pflichtfelder im Auditbericht
Der IFS 6.1 gibt den Auditoren vor, zu welchen Anforderungen es zwingend Erläuterungen im Auditbericht geben muss. In Zukunft wird das Thema Food Fraud ein solches Pflichtfeld sein. Hier muss der Auditor angeben, welche betrugsanfälligen Rohstoffe entsprechend der Schwachstellenanalyse ermittelt wurden und aus welchem Grund diese anfällig gegen Betrug sind. Jeder Ihrer Kunden, der im Auditportal (der IFS-Datenbank) von Ihnen freigeschaltet wird, kann diese Bewertung einsehen.

Bindung und Qualifikation des Auditors
Bisher gab es die Regel, dass ein Auditor nur für eine Zertifizierungsstelle in Bezug auf IFS tätig sein darf. Jetzt ist dieser Passus geändert worden. Auditoren benöti-gen einen gültigen Vertrag mit einer Zertifizierungsstelle, können aber von mehreren Zertifizierern eingesetzt werden. Die Auditoren müssen nach wie vor die Vorgaben der ISO 19011 erfüllen, die sich in 2018 ändern werden. Eine Entwurfsfassung der ISO 19011 ist bereits veröffentlicht.

QR-Codes
In Zukunft wird jedes Zertifikat beim Hochladen durch die Zertifizierungsstelle  mit einem QR-Code ausgestattet. Dieser ermöglicht es, die Gültigkeit des Zertifikats und die Stammdaten des Zertifikats einzusehen.

Das IFS Auditportal
Auch hierzu hat es kleinere Änderungen gegeben. Zum einen wird die Anwendung der Funktion „My Audits“ erläutert. Zum anderen ist ergänzt worden, dass neben Zertifizierungsstellen, dem zertifizierten Unternehmen und den Handelskunden nun auch Behörden Zugriff auf die Berichte und Zertifikate erhalten können.


Unangekündigte Audits als neuer Abschnitt im Lebensmittelstandard IFS

Als neues Kapitel des IFS Food Standards ist der „Part 5 Auditprotokoll für unangekündigte Audits“ eingefügt worden. Hier sind die Vorgaben des bisherigen zusätzlich zum Standard geltenden Protokolls eingefügt und aktualisiert worden. Diese Regeln haben sich aber im Wesentlichen nicht verändert:

  • Ein Unternehmen muss sich rechtzeitig für das Programm der unangemeldeten Audits selbst anmelden.
  • Auf dem Zertifikat wird vermerkt, dass das Audit „Unangekündigt“ stattgefunden hat.
  • Der Zeitraum, in dem das Audit stattfinden kann, verlängert sich von 10 Wochen auf 18 Wochen (16 Wochen vor und zwei Wochen nach dem Stichtag des ersten Audits).
  • Es können maximal 10 Arbeitstage innerhalb dieses Zeitraums festgelegt werden, in denen das Audit nicht stattfinden kann (Sperrtage). Zusätzlich dazu können Zeiten festgelegt werden, in denen keine Produktion stattfindet.
  • Der Auditor nimmt im Vorfeld keinen Kontakt zum Unternehmen auf, schickt auch keinen Auditplan.
  • Der Auditor muss nach einem kurzen Einführungsgespräch und Überprüfung der Dokumente schnellst möglich das Audit in der Produktion starten.
  • Wenn während des Audits nicht alle Prozesse auditiert werden können, muss es ein angekündigtes Erweiterungsaudit geben.
  • Wenn der Auditor vom Unternehmen nicht die Möglichkeit bekommt, das Audit durchzuführen, wird dem Standort innerhalb von 2 Werktagen das Zertifikat entzogen.

Alle übrigen Regeln der Durchführung von Audits bleiben wie bisher.


Änderungen des Glossars des IFS Food Version 6.1

Natürlich ist auch das Glossar entsprechend der beschriebenen Änderungen ergänzt worden. Folgende Themen sind nun näher erläutert:

  • Allergenvorgaben der Verordnung (EU) No 1169/2011
  • Auditzeitfenster (bei unangekündigten Audits)
  • Sperrzeiten (bei unangekündigten Audits)
  • Food Defense
  • Food Fraud
  • Food Fraud Vermeidungsplan
  • Food Fraud Verletzlichkeits-Analyse
  • Erstes Witnessaudit
  • Phase ohne Produktion

Bei der Umsetzung der neuen Version 6.1 des IFS Food Standards sollten Sie sich auch diese neuen Erläuterungen ansehen und in Ihre Betrachtungen einbeziehen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung der Änderungen.
Ihre Ute Wedding

 


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