Lebensmittelsicherheit, HACCP, IFS, BRC & FSSC

Der neue Fokus auf Food Fraud – Immer mehr Lebensmittelstandards fordern den Schutz vor Lebensmittelbetrug

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„So finanziert der Konsument das organisierte Verbrechen“ – das war das Resümee einer Sprecherin von Europol nach einer gemeinsamen Aktion mit Interpol gegen Lebensmittelbetrug. Die Aktion mit der Bezeichnung Opson VI, bei der weltweit ca. 50.000 Betriebe, Häfen und Märkte überprüft wurden, endete mit der Beschlagnahmung und anschließender Vernichtung von 10.000 Tonnen und 26 Millionen Litern Lebensmitteln im Gesamtwert von ca. 230 Millionen Euro. Natürlich arbeiten die Fahnder und Behörden auch nach dieser Aktion weiterhin gemeinsam daran, Lebensmittelbetrug aufzudecken und vorzubeugen. Doch auch die Lebensmittelverarbeiter können hier etwas tun, um in ihrem Einflussbereich innerhalb der Lebensmittelkette gegen Lebensmittelbetrug vorzugehen. Doch nicht erst seit Opson VI horcht die Branche auf. Es gibt schon seit einiger Zeit Vorgaben zu Food Fraud, insbesondere in den Lebensmittelsicherheitsstandards. Begonnen hat dieses Thema seit dem Pferdefleischskandal in 2013, bei dem in verschiedenen europäischen Ländern als Rindfleisch deklarierte Lebensmittel gefunden wurden,  die bis zu 100 % nicht deklariertes Pferdefleisch enthielten. Erfahren Sie im nachfolgenden Beitrag alles über die Bedeutung von Food Fraud sowie die Anforderungen der Lebensmittelstandards zum Thema Lebensmittelbetrug.

Weitere spannende Beiträge zum Thema Lebensmittelsicherheit:

(1) IFS Food Version 6.1 – wir zeigen Ihnen, welche Änderungen der überarbeitete IFS Food Standard mit sich bringt
(2) Der Leitfaden zu PRP und HACCP – wie flexibel sind „flexible Regelungen“?
(3) Begriffe für das Hygienemanagement und HACCP System – Unterschiede zwischen Monitoring, Verifizierung und Validierung


Was ist denn überhaupt Food Fraud?

Wörtlich übersetzt heißt Food Fraud „Lebensmittelbetrug“. Dabei geht es im Wesentlichen darum, dass die Lebensmittelinverkehrbringer ein System zum Schutz des Verbrauchers vor Betrug oder Verfälschung der Lebensmittel einführen und umsetzen. Die Motivation für Lebensmittelbetrug ist für den Betrüger immer, sich einen ökologischen Vorteil zu verschaffen, also es geht um Gewinnmaximierung mit unlauteren Mitteln. Nach der Definition der European Commission zu Food Fraud, handelt es sich um Lebensmittelbetrug, wenn vier Kriterien gegeben sind:

  • Verletzung des EU-Lebensmittelrechts;
  • Absicht;
  • Wirtschaftlicher Gewinn;
  • Täuschung der Kunden.

Täuschung oder Irreführung des Kunden liegt immer dann vor, wenn

  • nicht drin ist, was drauf steht;
  • nicht gehalten wird, was das Produkt (Spezifikation, Deklaration oder Werbung) verspricht;
  • unklare oder un- (bzw. miss-) verständliche Aussagen zum Produkt gegeben werden.

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In dieser Food Fraud Ausbildung informieren wir Sie über die Beweggründe zum Lebensmittelbetrug. Erfahren Sie, wie Sie Ihr Unternehmen nach den neuen Anforderungen der Lebensmittelstandards wirkungsvoll dagegen schützen.

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Schwachstellen bei der Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln bieten Raum und Gelegenheit zum Lebensmittelbetrug

Das internationale Netzwerk von Beratungs- und Prüfungsunternehmen PwC beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Food Fraud. Von PwC wird eine App mit entsprechender Software herausgegeben, mit der eine Schwachstellenanalyse durchgeführt werden kann. Darüber hinaus gibt es eine Fülle von Info-Material zum Thema Food Fraud. Die diesbezüglichen Schwachstellen werden folgendermaßen dargestellt:

Der neue Fokus auf Food Fraud - Lebensmittelbetruf - Darstellung Schwachstellen

Bei guten Gelegenheiten, vorhandener (krimineller) Motivation und fehlenden Lenkungsmaßnahmen treten Schwachstellen in Bezug auf Food Fraud auf.


Food Fraud in der Gesetzgebung – diese rechtlichen Anforderungen stellt der Gesetzgeber zum Thema Lebensmittelbetrug

Auch wenn die Wörter Food Fraud in der Lebensmittelgesetzgebung nicht direkt auftreten, gibt es doch diverse rechtliche Anforderungen an dieses Thema. Die europäische Basisverordnung VO (EG) 178/2002 zum Beispiel hat zum Ziel, ein „hohes Schutzniveau für die Gesundheit des Menschen und die Verbraucherinteressen bei Lebensmitteln“ zu schaffen. „Dabei müssen verhindert werden:

a. Praktiken des Betrugs oder der Täuschung,
b. die Verfälschung von Lebensmitteln und
c. alle sonstigen Praktiken, die den Verbraucher irreführen können.“

Die europäische Lebensmittelinformationsverordnung LMIV (VO (EU) 1169/2011) gibt im Artikel 7 vor, dass Informationen über Lebensmittel nicht irreführend sein dürfen. Dies betrifft:

  • Eigenschaften der Lebensmittel (z.B. Art, Identität, Eigenschaften, Zusammensetzung, Menge, Haltbarkeit, Ursprungsland oder Herkunftsort und Methode der Herstellung)
  • Die beschriebene Wirkung der Lebensmittel
  • Besondere Merkmale
  • Aussehen, Bezeichnung oder bildliche Darstellung.
  • „Informationen über Lebensmittel müssen zutreffend, klar und für die Verbraucher leicht verständlich sein.“

Fälle von Lebensmittelbetrug sind grundsätzlich ein Straftatbestand und werden nach dem Strafgesetzbuch §263 Betrug mit Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis 10 Jahren bestraft.


Anforderungen der Lebensmittelstandards IFS, BRC, FSSC & GFSI zu Food Fraud

Bereits 2014, direkt nach dem Pferdefleischskandal, hat der in Europa wichtigste Lebensmittelsicherheitsstandard, der IFS Food, Anforderungen zu Food Fraud aufgenommen. Allerdings hat er dieses Thema „Authentizität“ genannt, und definiert diesen Ausdruck mit den Worten: ,,Zustand authentisch zu sein, wahrheitsgemäß. Es beinhaltet die Rechtmäßigkeit sowie Sicherheits- und Qualitätsaspekte.“  Im IFS Food Version 6 von April 2014 wird hinsichtlich des Einkaufs gefordert: „Die zugekauften Produkte werden gemäß den vorliegenden Spezifikationen auf ihre Authentizität, basierend auf der Gefahrenanalyse und Risikoeinschätzung, geprüft.“ Darüber hinaus sollen entsprechende Produktanalysen durchgeführt werden: „Auf Grundlage der Gefahrenanalyse, Risikoeinschätzung und interner oder externer Informationen über Produktrisiken, die einen Einfluss auf die Lebensmittelsicherheit und/oder Qualität (inklusive Fälschung und Betrug) haben könnten, aktualisiert das Unternehmen den Kontrollplan und/oder ergreift jede geeignete Maßnahme, um den Einfluss auf die fertigen Produkte zu kontrollieren.“ Fast identische Anforderungen finden sich im IFS Broker wieder. Der BRC (Global Standard for Food Safety) fordert zunächst in Bezug auf das Management von Zulieferern:

,,Das Unternehmen muss eine dokumentierte Risikobewertung für jedes Rohmaterial oder jede Rohmaterialgruppe durchführen“ unter Berücksichtigung der Risiken durch Ersetzung oder Betrug. Darüber hinaus ist ein ganzes Kapitel 5.4 dem Thema Produktauthentizität, Behauptungen und Produktkette gewidmet. Hier werden Systeme und Verfahren gefordert, um das „Risiko des Kaufs von gefälschten oder verfälschten Rohmaterialien für Lebensmittel zu minimieren und zu gewährleisten, dass alle Produktbeschreibungen und Behauptungen legal, richtig und verifiziert sind.“

Der immer bedeutender werdende Standard FSSC 22000 (Food Safety System Certification) hat in seiner neuesten Version 4.1 vom Juli 2017 Anforderungen in einem Kapitel 2.1.4.4 Food Fraud entsprechende Anforderungen aufgestellt. Es sollen eine Schwachstellen- bzw. Bedrohungsanalyse zur Betrugsbekämpfung durchgeführt werden und darauf basierende Kontrollmaßnahmen zur Verringerung oder Beseitigung der Schwachstellen. Darauf aufbauend soll ein „Lebensmittel- Betrugs-Präventionsplan“ erarbeitet und umgesetzt werden, der die gesetzlichen Vorgaben einbezieht. Alle diese Anforderungen gehen zurück auf Vorgaben der GFSI (Global Food Safety Initiative), die in ihren Guidance Documents Version 7.1 von 20174 dokumentierte Beurteilungsverfahren hinsichtlich Lebensmittelbetrug und einen darauf basierenden Plan zur Betrugsbekämpfung fordert. Jeder von der GFSI weltweit anerkannte Standard muss entsprechende Anforderungen stellen, um auch weiterhin die Anerkennung der GFSI zu behalten bzw. zu bekommen.

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Vorgehen zum Aufbau eines Food Fraud System – Mit Hilfe der Lebensmittelstandards dem Lebensmittelbetrug entgegenwirken

Zentrale Anforderung aller Standards ist die Durchführung einer Gefahren-, Bedrohungs- oder Schwachstellenanalyse mit der Blickrichtung auf Lebensmittelbetrug. Leider gibt es noch keine konkreten Vorgaben, wie eine solche Analyse aussehen soll. Daher müssen Sie selbst Kriterien festlegen und eine Bewertung definieren. Nach der Bewertung des Betrugsrisikos müssen immer dann, wenn Sie ein erhöhtes Risiko erwarten, entsprechende Maßnahmen umgesetzt werden. Diese können sein:

  • Durchführung von speziellen Analysen
  • Festlegen von Präventionsmaßnahmen mit den Lieferanten
  • Festlegen und Durchführen eigener Maßnahmen.

Am Ende, nach der Umsetzung der Maßnahmen, steht immer die Bewertung, ob die Maßnahmen wirksam waren. Bei Bedarf müssen auch hierzu Analysen durchgeführt werden, um die Wirksamkeit zu bestätigen. In einer erneuten Gefahrenanalyse, die mindestens einmal pro Jahr durchgeführt werden soll, bestätigen Sie dann die neuen Erkenntnisse. Das heißt, bei wirksam durchgeführten Maßnahmen müsste das gesamte Risiko eines Betrugs sinken, was sich in Ihrer Risikobewertung niederschlägt.Food Fraud_Systematische Vorgehensweise zur Betrugsprävention


Food Fraud Anforderungen damals und heute – Nun gilt es, die Anforderungen der Lebensmittelstandards umzusetzen

Auch in der Vergangenheit gab es schon Anforderungen zu Food Fraud, die von zertifizierten Betrieben bereits hätten umgesetzt werden müssen. Allerdings sind diese von den Betrieben (und von vielen Auditoren) nicht immer so ausführlich beachtet worden, wie es vorgesehen war. Jetzt kommen Sie um eine detaillierte Gefahrenanalyse und Ableitung von Präventionsmaßnahmen nicht mehr herum, um alle Anforderungen der Standards zu erfüllen. Darüber hinaus ist sicher auch das Augenmerk der Auditoren für dieses Thema durch die Änderungen der Standards stark gestiegen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Vorgehen gegen den Lebensmittelbetrug!
Ihre Ute Wedding

 


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